Ferien!

Die letzte Schulwoche für die Kinder wurde etwas chaotisch, da die Examen wohl schon geschrieben waren, manche Kinder keine Schule mehr hatten und so das gesamte Konzept des Hausaugabenbetreuens wegfiel. Stattdessen wurden Spiele gespielt und es wurde gebastelt. 

Freitags ging es dann in die Paarl Mountains grillen und ich hatte viele Kinder im Auto, die Musik sehr laut (alle haben mitgesungen) und es hat doch Spaß gemacht Auto zu fahren. In Serpentinen ging es immer weiter den Berg hoch zu dem bisher schönsten Grillplatz! Mit kleinem Teich, Felsen zum beklettern und einer Aussicht, war es der perfekte Platz für uns!

In den Ferien selbst wird dann ein Holiday-Programm angeboten. In unserem Fall machten wir drei Tage lang Ausflüge und schickten die Kinder mit einem Quiz durch die Paarl Mall, gingen zum Spur essen, an den Fluß schwimmen und ins Kino. Das hat nicht nur den Kindern Spaß gemacht, sondern war auch ein kleines Erholungsprogramm für uns 😉 

Vor allem das Kino hat die Kinder etwas überfordert, da es für sie der erste Kinobesuch und alles ziemlich groß und laut war. Dafür haben wir sie kaum aus dem Fluß rausbekommen und damit wären alle Freitagsausflüge geplant: Wir gehen einfach immer schwimmen! ;D 

Es wird sowieso immer heißer hier und Nielen ermutigt uns hin und wieder:  Wartet erst einmal ab, wie heiß es im Sommer wird! Als wir dann Nozuko fragten mit welchen Tricks man die Sommerhitze überstehen kann, kaufte sie uns ein Eis und sagte damit. Ich werde mich also ab November von Eis ernähren und glaube mittlerweile, dass ein Freiwilligendienst in Kanada passender für mich gewesen wäre 😀

Wir sind aber auch zu warm angezogen! Morgens ist es nach wie vor frisch und in den letzten Tagen verbrachten wir unsere Mittagspausen auf der Arbeit und konnten uns nicht umziehen. Vielleicht deponiere ich einfach eine Ladung kurzer und luftiger Klamotten im Büro… Und dann wird es wieder kalt werden und regnen.

Den Donnerstag fuhren wir dann los nach Kapstadt. Da die Mother City von Südafrika nur 45 Minuten von Wellington entfernt ist, durften wir das Auto von Mosaic benutzen, was prima ist, wenn man keine Touri- Busse nutzen will, um zum Kap zu kommen. Untergekommen sind wir im Zebras Crossing, einem Bagpacker, der sehr zentral in der Nähe der Longstreet liegt und sehr nett eingerichtet ist.

Pünktlich zu unserem Urlaubsbeginn waren es auch nur noch 16 Grad und es war die ganze Zeit bewölkt mit kleineren Schauern. Das war nicht ganz unser Wunschwetter und wir haben teilweise wirklich gefroren, aber das war es wert! Donnerstags sind wir direkt einmal um die Kaphalbinsel gefahren und haben Cape Point und das Kap der Guten Hoffnung besucht, sowie auf dem Weg Boulders Beach abgeklappert. 
Vom Cape Point liefen wir rüber zum Kap der Guten Hoffnung, machten aber kein Foto mit dem Schild, sondern entspannten lieber an den Klippen und genossen die Aussicht. Es gab wirklich eine Schlange an Menschen die dafür anstanden ein Bild mit dem Schild zu machen. 

Baboons haben wir nur zwei gesehen und die haben sich schnell davon gemacht, vielleicht kommen wir nur wegen ihnen noch einmal ans Kap, auch wenn sie vor allem als Plage bezeichnet werden, aber ich will sie auch mal aus der Nähe sehen. 
Richtig an den Strand von Boulders Beach sind wir noch nicht gegangen, das wollten wir uns für einen warmen Sommertag aufheben, wenn man mit den Pinguinen schwimmen kann. Trotzdem kann man im Gebüsch neben Boulders Beach viele Pinguine sehen und vor allem riechen! 

Freitags ging es dann hoch auf den Tafelberg! Oben war es kalt und windig und die Aussicht war teilweise vernebelt, aber wenn sich die Wolken einmal verzogen hatten, war die Aussicht fantastisch! 

Nachdem wir uns in dem Shop und dem Café auf dem Berg wieder  aufgewärmt hatten, beschlossen wir langsam abzusteigen. Nächstes Mal möchte ich dann über die Route mit Kletterpassagen aufsteigen und gemütlich heruntergondeln, denn das Absteigen war eine ähnlich Plackerei wie das Hochlaufen, da der Weg über eine Rinne aus Geröll verläuft. Trotzdem war es schön herumterzukraxeln, da man noch einmal eine ganz andere Aussicht genießen könnte.

Nachmittags fuhren wir zur Hout Bay, stärkten uns mit Fish und Chips und setzten uns in ein Schiff zur Seals Insel. Als hätten wir es minutiös geplant lief genau dann ein Schiff aus als wir vom Essen kamen und mussten wie ala Ausgleich zur stundenlangen Warterei am Tafelberg uns nur noch ins Schiff setzen. Schon im Hafen wurden wir von einem kleinen Seehund begrüßt und dann ging es schon aus dem Hafen aufs Meer hinaus.
Viele, viele Seehunde liegen da rum und man hat sogar Zeit Ihnen einfach nur zuzuschauen. 

Danach fuhren wir zurück zu unserem Bagpackers, um zu entspannen. Abends wollten wir in die Longstreet etwas trinken und den letzten Abend genießen. Dabei habe ich mich irgendwann aber nicht mehr wohl gefühlt, viele Leute haben einen angesprochen und Geld verlangt oder wollten uns Drogen andrehen und als uns gedroht wurde, weil wir einem Mann kein Geld geben wollten, ist mir ein wenig die Lust vergangen viel zu unternehmen. Vielleicht ist es angenehmer, wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist. So machten wir früher Schluss als geplant.

Am nächsten Morgen ging es dann zur Old Biscuit Mill auf den Markt und zum Glück hatten wir vorher nicht gefrühstückt, da es doch viel zu Probieren gab.

Und zu schauen und ich bin sehr dankbar für Lars Geduld als ich in jeden Laden reingegangen bin 😀
Nachmittags ging es dann schon wieder zurück nach Hause,  gerade in dem Moment als es sich wieder zuzog, kalt wurde und es anfing zu tröpfeln. Ein sehr schöner erster Urlaub und hoffentlich nicht der letzte Besuch in Kapstadt!

Frühling und Geburtstage

Viel passiert letzte Woche und ich habe nie die Motivation gefunden direkt alles aufzuschreiben..  Abends war ich immer zu müde und mittags zu faul, also gibt es einen zwei Wochenbericht.

Wir werden mittlerweile routinierter was unsere Aufgaben angeht und lösen auch den Alarm des Zentrums nicht mehr ausversehen aus. Die Kinder haben sich mittlerweile an uns gewöhnt, die Namen kann ich auch schon einigermaßen und es wird immet entspannter das Programm vorzubereiten und dann auch durchzuführen. 

Als neuen Zusatz zum Programm wird auch ein Mittagessen angeboten, sodass ich Papp mit Milch zumindest mal gesehen habe 😀 Einfach etwas Zucker und Milch darüber gießen und das geschmacksneutrale Papp wird zur Süßspeise!

Die Woche endete samstags mit e einer Geburtstagsfeier bei Nozuko, ihre Mutter feierte mit der ganzen Familie und lud uns ein auch zu kommen. Da wir etwas mitbringen durften, beschlossen Lars und ich ein paar Vorurteile über Deutsche zu bestätigen und kauften fleißig alle Zutaten für einen Kartoffelsalat ein. Speckwürfel haben wir zwar keine gefunden und auch bei den Ölen wurden wir nicht recht fündig, da es entweder sehr teures Oliven- oder nur billiges Bratöl in 3 Liter- Kanistern gab. Wir entschieden uns alternativ für Avocadoöl und einen Streifen Bauchspeck, liehen uns eine Plastikschüssel ( Tupper rules!)  von Yolandi und schnippelten los. Für unseren ersten Kartoffelsalat ist er sogar recht gut gelungen und auch gut angekommen. Ob das am Geschmack lag oder weil es etwas Deutsches war, beurteile ich jetzt mal nicht 😀

Nach einer kurzen Fahrt nach Paarl wurden wir herzlich von Nozukos Familie begrüßt und ich wurde zu den Ladies auf das Sofa gesetzt, Lars zu den Männern an den Küchentisch. Nach einem süßen Mixed Beer (etwas gewöhnungsbedürftiger Ananas- und Zitronengeschmack) wurden wir mit Abendessen versorgt. 

Reis mit einer Art Gulasch, Linsen in einer süß-sauren Soße, Nudelsalat, Kartoffelsalat und nicht auf dem Bild ein Rote-Beete-Salat mit Ziegenkäse und viel Kuchen!

Der Abend verging schnell mit lauter Musik, ein wenig Tanz, unverständlichen Gesprächen in Xhosa, langen Gesprächen in Englisch und endete mit der Einladung jederzeit wiederkommen zu dürfen, wenn uns langweilig ist, wir ihre Hunde als Haustierersatz knuddeln wollen, wir Hunger haben oder Gesellschaft brauchen. Also eigentlich immer.

Die Heimfahrt war etwas gruselig, wir sollten in der Nähe des Townships alle Ampeln ignorieren und die Kreuzungen auch bei Rot ohne anzuhalten überqueren. Die Wahrscheinlichkeit nachts einen Unfall zu bauen ist hier anscheinend geringer als in Gefahr zu geraten, wenn man brav an der Ampel wartet und wirklich überfahren hier alle Autofahrer nachts die Rotphasen. Ein schlechtes Gefühl hatte ich trotzdem dabei, da bin ich wohl noch zusehr Fahranfänger in der Probezeit 😀

Montag war der wichtigste Tag der Woche: Mein Geburtstag! Der das erste Mal im Frühling war! Somit bin ich ab sofort ein Frühlings- und Herbstkind 😉

Mein selbstgekaufter Geburtstagskuchen:

Etwas andere Geburtstagstafel im Office als von Zuhause gewohnt, aber auch mit mindestens genauso lieben Menschen 🙂
Dienstags würde nachträglich zu meinem Geburtstag mit Lars auswärts im Under Oaks gegessen mit einem fantastischen Ausblick. 

Zum Ausblick Cider und Pizza und ich konnte meinen Geburtstag perfekt ausklingen lassen 🙂

Die Woche verging alltäglich und das ist ein neues Gefühl hier Alltag zu haben. Das Afterschoolprogramm nimmt den ganzen Nachmittag ein Man freut sich sogar auf die Ferien, denn dann geht es nach Kapstadt! Drei Tage der einwöchigen Ferien werden noch durch ein kleines Ferienprogramm für die Kinder belegt und dann haben wir Zeit für einen viertägigen Trip 🙂

Diesen Samstag wurde eifrig geplant  und langsam aber sicher machen wir uns auch daran die langen Sommerferien zu organisieren. Das dauert aber alles noch und wir feiern erstmal mit Nozuko, Yolandi und dem Rest der Familie den Braai-Day (der nationale Feiertag der das kulturelle Erbe des Grillens (Braai) ehrt). Ich kann Deutschland als Grillnation jetzt leider nicht mehr Ernst nehmen.

In diesem Sinne: Happy Braai Day ihr Amateur-Griller in Deutschland!

Swopshop!

Würde ich meine Artikel veröffentlichen anstatt sie in den Papierkorb zu verschieben, könnte ich sogar behaupten mich wöchentlich zu melden!
Heute gibt es also zwei Beiträge, einer frisch geschrieben der andere aus dem Papierkorb recycelt und von letzter Woche.

Der Montag fing an wie geplant mit einer Bürostunde. Alle Mitarbeiter sollen sich montags über den Verlauf der Woche absprechen, sodass diese geplant ist und jeder bescheid weiß. Das hat nicht wirklich geklappt und es ging dennoch drunter und drüber, aber wir haben uns nett unterhalten und uns fest vorgenommen mit Nielen joggen zu gehen. Hat auch nicht geklappt und letztendlich waren Lars und ich alleine unterwegs. Leider passt unser Tempo nicht, ich muss also eine andere sportliche Betätigung finden, denn hinter Lars herzuhecheln macht weder mir noch ihm Spaß.

Apropos, hier einmal das Afterschool-Team!DSC_0380

Ganz rechts Lars, dann Yolandi, Nozuko (Ich wurde belehrt wie man ihren vollen Namen richtig schreibt) und ich 🙂

Diese Woche war ich für den Sport zuständig und das Sportprogramm zu gestalten macht deutlich mehr Spaß als die Kinder an den Computern zu beaufsichtigen! Wir haben keinen richtigen Sport wie Fußball spielen gemacht, sondern uns mit Zombieball, Hahnenkampf (frei von mir in chickenfight übersetzt) und Ausbrechen vergnügt. Mittwoch fing dann das Chaos an als wir plötzlich mit allen Kindern nochmal Sport gemacht haben, was nicht geplant war und die Abmachung an einem Mittwoch nur Englisch zu sprechen irgendwie torpediert hat, da man alle Spiele erklären musste und das auch verständlich für die Jüngeren. Vielleicht klappt es ja nächste Woche…

Zwischendurch haben wir versucht Blut zu spenden, was leider nicht geklappt hat, weil wir zu spät ankamen und haben unsere Sachen gewaschen! Ich habe noch nicht ganz aus meinen früheren Erfahrungen mit dem Waschen gelernt und prompt meine einzigen Handtücher abgegeben um dann zu erfahren, dass wir die Wäsche erst am nächsten Tag abholen können. Duschen und auch nur das Händewaschen macht ohne Handtuch nicht viel Spaß 😀 und natürlich wollte ich genau an dem Tag duschen. Vorausdenken kann ich also immer noch nicht., aber immerhin habe ich nicht wie beim letzten Mal wirklich alle Klamotten abgegeben. Ich bilde mir ein, dass das schon ein kleiner Lernerfolg ist.

Donnerstag wurde dann ein wenig gebastelt und danach in den Bible Studies viel gesungen- alles eher unaufregend nur sehr angenehm ruhig.
Am Freitag startete der herbeigesehnte SWOPSHOP!

Dafür wurde einer der Container aufgeräumt und Lebensmittel, Spielzeuge und Hygieneartikel je nach Wert in die Kategorien 5, 10, 15, usw eingeteilt.

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Dann wurden noch Pizzaböden abgeholt, die eine Pizzeria in Wellington extra für diesen Anlass aufhebt und Karotten gekauft. Obwohl die Aktion erst um halb drei startete, sammelten sich die Kinder und auch Erwachsenen schon ab 1 Uhr vor dem Tor und warteten geduldig bis es losging. Als der Müllwagen ankam durften die ersten Leute ihre Müllsäcke abgeben. Die werden dann erst Art des Leerguts, das sich darin befindet, gewogen und dann in Punkte umgerechnet. Für 10 Punkte darf man sich dann etwas aus der Kategorie 10 aussuchen oder eben zwei Dinge aus der Kategorie 5 und so weiter. Vorher müssen allerdings die Hände gewaschen werden, denn den Kindern werden direkt das Pizzabrot und eine Karotte in die Hand gedrückt. Reicht das Gewicht der Flaschen nicht einmal für 5 Punkte aus was vor allem bei den wirklich kleinen Kindern vorkommt, die nur ein oder zwei Flaschen mitbringen, steht noch eine kleine Kiste mit Krimskrams bereit.

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Bis 5 Uhr wurde umgetauscht und ausgesucht und ich machte eifrig von meinen zwei Sätzen Afrikaans gebrauch : Ek is jammer, ek kan net Afrikaans praat nie (hoffentlich so geschrieben und nichts anderes als: Es tut mir leid, ich kann kein Afrikaans sprechen). Die Leute mussten also mit mir Englisch reden oder zumindest verstehen, wenn ich ihnen das System erklärt habe. Hat bis auf ein paar mal aber prima geklappt und viel Spaß gemacht 🙂
Manche Mütter haben ganze Haushaltseinkäufe mit dem Swopshop erledigt und davor auch über 100 Punkte an Flaschen gesammelt, was ungefähr 30kg an Plastikflaschen ist. Der Shoüp wird also schon als richtiger Einkaufsladen betrachtet 😉 . In erster Linie ist er aber dazu da den Kindern eine Beschäftigung zu geben, gleichzeitig ein wenig Müll zu beseitigen und dann die Sammler zu belohnen.

Samstag kamen dann Mitarbeiter der ENP, einer kirchlichen Organisation aus der Gegend, um Blumentöpfe mit den Pleinkies (den Kindern aus dem township) zu bepflanzen. Ab 9 Uhr standen wir also wieder im Mosaic Center und gaben Schaufeln und Schubkarren aus.

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Leider gab es für uns danach nicht mehr viel zu tun und es wurde sehr sehr anstrengend zu warten, da keine Hilfe gebraucht wurde und wir nur im Weg herum standen. Nach Hause gehen konnten wir aber auch nicht, da wir die nach dem Programm alles wieder abschließen sollten . Dazu wurde ich noch richtig hungrig und wer mich kennt, weiß dass ich dann sehr schlecht gelaunt werde. Umso glücklicher war ich also als die letzte Pflanze in den Pott gesetzt war und wir abschließen konnten. Duschen, essen, lesen, schlafen und dann war der Tag auch schon wieder vorbei. Sonntag ist mal wieder nichts geplant außer das nächstes freie  Wochenende zu verplanen!

Abflug (fast)

In wenigen Stunden geht es los und jetzt bin ich richtig aufgeregt. Im Vergleich zu gestern bin ich heute fast hysterisch oder ich war gestern nicht aufgeregt, sondern nur etwas nervös.

Ich habe mich von sehr vielen Leuten verabschiedet umd freue mich über jeden Wunsch, der mir mitgegeben wurde. Bis gestern ist mir dieser ganze Verabschiedungskram sogar noch leicht gefallen! Heute kreisen meine Gedanken nur noch um den Abflug und ich versuche den Zeitraum ein Jahr zu begreifen. 

In unserer riesigen WhatsApp-Gruppe aller meiner Mitfreiwilligen wird noch eifrig über das Gewicht des Koffers geschrieben und ich bewundere die Gelassenheit der Leute, die heute erst ihren Koffer gepackt und gewogen haben. Dafür hätte ich heute überhaupt keinen Nerv gehabt.

Denn jetzt habe ich neben der Aufregung auch noch Angst, dass mein Gepäck vom Gewicht, der Größe, der Form oder der Farbe nicht passt, dass diese ganze Idee vom Freiwilligendienst doch nicht zu mir passt, dass ich den Flug verpasse, dass ich mit meinem Schulenglisch nicht zurechtkomme und natürlich habe ich Angst, dass es doch ganz anders wird und ich Heimweh bekomme. Und dann überlege ich mir, ob es nur mir so geht oder ob jeder diese Unsicherheit bekommt, sobald der Abflug greifbar ist.

Abwechselnd zu diesem Gefühlschaos freue ich mich dann doch wieder auf dieses Jahr. Darauf etwas Neues zu sehen, zu erleben und diese Chance zu haben ein anderes Land richtig kennenzulernen und dort zu leben. Vielleicht gehört das einfach zu einem Abschied dazu und gerne würde ich dieses ganze denken einfach abschalten und in Südafrika gelandet sein. Dann ist es egal ob ich Zweifel habe oder die zweite Regenjacke nicht mit im Koffer ist, einfach weil es dann kein Zurück mehr gibt. Dann wird der Freiwilligendienst durchgezogen und ich glaube (auch wenn mein Bauch sich da nicht so sicher ist), dass es einfach eine riesige und großartige Erfahrung sein wird.

Bis ich dann endlich im Flieger sitze, wird aber noch viel gezweifelt, gefreut, am Gepäck herumgewogen umd gepackt und vielleicht auch ein bisschen geweint. Um halb 5 geht es dann los zum Flughafen, wo wir als große Gruppe gemeinsam einchecken und uns noch ein bisschen verrückt machen können, weil jeder ein bisschen anders gepackt hat. Ich bin recht zuversichtlich, dass ich jemanden finden werde, der mit mir in Panik verfällt. Zu zweit macht das viel mehr Spaß und man kann sich besser reinsteigern ;D

Dann heißt es 11 Stunden fliegen und hoffentlich trotz Aufregung schlafen können, denn wir kommen früh morgens an und dann möchte ich wach genug sein, um alle ersten Eindrücke auch mitzubekommen. 

Ich melde mich sobald ich angekommen bin und WLan habe und sei es nur, um ein Lebenszeichen zu geben!

Erstes Bild von mir + Projektpartner Lars:

Ablenkungsmanöver

In zwei Tagen geht es los, ich bin aufgeregt und habe ich schon erwähnt, dass ich aufgeregt bin?

Um zu vermeiden meinen Koffer in den letzen Tagen immer wieder ein und auszuräumen (das ist für morgen geplant), suchte ich nach Beschäftigungstherapien und füllte meine Tage mit dem Winzerfest, einer kleinen Abschiedsfeier (lange geredet, viel gelacht und erst spät nachts die Gäste nachhause geschickt -> alles in allem sehr schön <3), dem Treffen von Freunden und einem Zeltlagerüberfall.

Vor allem der Überfall schaffte herrliche Ablenkung und sorgte dafür, dass ich mich von meinen Brüdern erst heute verabschieden musste. Die fuhren nämlich wie jedes Jahr letzte Woche fröhlich weg Richtung Jungszeltlager (einer als Mitarbeiter und einer als Teilnehmer) und riefen mir eher halbherzig ein „Tschüss“ zu.
Da ich aber in den letzten 5 Jahren ebenfalls als „Küchendame“ mitgefahren bin und für das Lager gekocht hatte, war es schnell entschieden, dass ich mit ein paar Freunden die gute alte Zeltlagertradition des „Überfallens“ nutzen werde, um die Jungs nochmal zu besuchen.
Ein sogenannter Überfall im Zeltlager ist allerdings kein Verbrechen und wir stehlen auch nichts Wertvolles und Verkaufen es dann, sondern ein reines Spiel, dass für die Kinder im Zeltlager überlegt wurde und Mitarbeitern, die einmal keine Zeit für das Zeltlager haben die Möglichkeit gibt, es wenigstens zu besuchen..
Jede Nacht bis auf die letzte haben die Teilnehmer abwechselnd Nachtwache und die Aufgabe, dass Lager ein bis zwei Stunden vor Überfällern zu beschützen bis die Ablösung kommt. Dabei sind die Kinder immer zu zweit und je ein Zelt mit circa 5 Teilnehmern hält pro Nacht Nachtwache. Wird ein Überfäller im Gebüsch vermutet, kann der Zeltchef (der Mitarbeiter, der mit den Kindern im Zelt schläft) geweckt werden und wenn alle Wildschweine ausgeschlossen werden können, werden nach und nach alle Mitarbeiter geweckt, um auf Posten zu gehen und die Überfäller zu jagen. Die Zeltlagerleitung bleibt jedoch meistens entspannt im Bett liegen, da man sich als braver Überfäller bei ihr anmeldet.
Das verhindert unangenehme Verwechslungen mit der Dorfjugend, die auch gerne vorbeischaut und nicht unbedingt die Regeln des Überfallens beachtet. So bleibt man zum Beispiel als Überfäller fair und bleibt „gefangen“ auch wenn man den kleinen an deinem Arm hängenden Siebenjährigen abschütteln und dann wegrennen könnte. Der größte Vorteil eines angemeldeten Überfalls ist jedoch die daraus resultierende Faulheit der Leitung und anderer Mitarbeiter, die bei bekannten Überfällern sich nicht immer aus dem Schlafsack schälen, sondern gemütlich weiterschlummern.

Am nächsten Morgen wird dann beim Frühstück verkündet, dass ein Überfall stattgefunden hat und die größte Schöpfkelle der Küche wird  samt großem Wasserbottich zur Lagerrunde geschleppt.
Je nachdem ob die Überfäller erfolgreich etwas aus dem Lager klauen konnten, zum Beispiel die Nutoka, diverse Schöpfkellen oder die heilige Lagerglocke, wird entweder die unachtsame Nachtwache getauft oder die aufmerksame Nachtwache, die heroisch den Überfall verhindern konnte, darf die nächtlichen Besucher taufen. Die Verlierer bekommen also eine riesige Kelle wirklich kalten Wassers übergekippt.

Von dem bisschen kaltem Wasser nicht abgeschreckt, wurden gestern Mittag also prompt schwarze Kleidungsstücke zusammengesucht und bei der Suche nach einer schwarzen Mütze alle Winterklamotten hervorgekramt bis ich mich bis auf die Augen vermummen konnte. Mit Isomatte, Schlafsack und festen Schuhen im Gepäck ging es dann los mit dem Überfallen. Unser Überfall startete mit einer sehr überlebensnotwendigen Pause in der Pizzeria (zur Stärkung vor der langen einstündigen Anfahrt) und dem hohen Konsum von Cola, um wach zu bleiben. Danach kam uns die großartige (mit Ironie lesen) Idee schon einmal das Lager auszuspähen und fuhren den gegenüberliegenden Berg hoch, um mit dem Fernrohr einen guten Blick auf das Lager zu bekommen. Leider fällt ein schwarzes Auto, das sonntags durch die Reben gurkt doch auf und als auch noch vier Leute ausstiegen und angestrengt zum Lager schauten, wurden wir direkt entdeckt. Das anschließende auf den Boden werfen und unschuldig schauen änderte nichts daran. Vielleicht sind schwarze Autos auch zu verdächtig!

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Unser Blick auf das Lager:

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Obwohl wir schon vor dem eigentlichen Überfall entdeckt wurden, beschlossen wir dennoch zu überfallen und die Ungewissheit der Teilnehmer über den Zeitpunkt des Überfalls auszunutzen. Es ging also wieder vom Berg runter und hoch in den Wald in die Nähe des Zeltplatzes, um sich umzuziehen. Das nahm einige Zeit in Anspruch und bis wir die Funkgeräte eingestellt hatten, war es mittlerweile dunkel.

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Sehr professionell teilten wir uns in die Zweierteams Alpha und Bravo auf und trennten uns, um das Lager von zwei Seiten gleichzeitig anzugreifen. Dafür mussten wir jedoch erst einmal in Reichweite des Zeltlagers kommen ohne gesehen und gehört zu werden. Team Bravo sollte von vorne am offensichtlichen „Eingang“ zum Zeltlager auf das Lager zugehen, während Team Alpha (mein Team) von hinten kommen sollte.
Problem Nummer 1: Das Lager liegt direkt am Fluss und wenn man nicht lautstark durch das Gestrüpp am Hang brechen will muss irgendwo der Fluss überquert werden.

Problem Nummer zwei: Obwohl wir vorrauschauend einen Plan der Gegend ausgedruckt hatten, vergaßen wir ihn direkt im Auto und wussten nicht mehr wo die perfekt liegende Brücke war. Wir versuchten unser HighTech-Equipment zu nutzen und Team Bravo zu fragen, ob sie den Weg kennen, aber leider nuschelten sie zu sehr. Nach dem dritten „Bitte laut und deutlich wiederholen“, fügten wir genervt „und langsam mit einer Wiederholung jedes Wortes“ hinzu. Ich glaube daraufhin schnappte die andere Gruppe ein, denn was danach kam klang wie das walisch von Dori und danach herrschte Funkstille.

Wir kauerten uns also so tief wie möglich ins Gebüsch und öffneten das hell leuchtende Google Maps auf unseren Handys. Natürlich waren wir falsch und mussten erst durch den kleinen angrenzenden Ort laufen. Darauf hoffend, dass niemand die Polizei wegen den vermummten Gestalten auf der Straße rufen und wir in erklärungsnot geraten.
Irgendwann war die Brücke dann gefunden und der spannende Teil fing an. Sehen ohne gesehen zu werden. Auf dem Bauch liegend robbten wir immer im Schatten des Gebüschs (der Mond schien sehr hell) näher heran und konnten nach und nach alle Personen auf dem Zeltplatz ausspähen. Dann hieß es warten, warten und warten bis auch der Letzte ins Zelt gekrochen war und es immer stiller auf dem Platz wurde. Mein Alpha-Team-Partner, der durch die Bundeswehrausbildung irgendwie immer vor mir weggerrobbt ist, verschwand Richtung Zelte und der Sinn der Funkgeräte erschloss sich mir als wir durchgeben konnten, ob jemand kommt und welche Zelte lohnenswert sind. Die Zelte an die er herangerobbt ist, waren es nicht. Das Duschzelt war durch unsere Ankündigung vorsorglich ausgeräumt und das Trapperzelt (das Zelt der älteren Teilnehmer) ist nicht wirklich Ziel eines Überfalls.

Wir zogen uns also vorsichtig zurück und machten aus, dass wir immer am Gebüsch entlang bis zum Küchenzelt vorrobben und dann gemeinsam einsteigen. Wir machten uns also ans Werk und plötzlich hörte ich nur ein schnelles „Anne, runter!“ und ich presste mein Gesicht in den Boden und wunderte mich nach einer gefühlten Ewigkeit, dass keine Entwarnung kam. Mit Herzklopfen lauschte ich auf irgendwelche Geräusche, die auf eine Nachtwache hindeuten könnten und wurde richtig paranoid. Irgendwann konnte ich die einen FlipFlop-Träger auf dem Zeltplatz hören und riskierte einen Blick: Ich war unentdeckt. Danach machte ich mir jedoch Gedanken über jedes raschelnde Blatt, denn wenn ich über eine Distanz von 100m FlipFlops höre, musste doch einfach jeder mitbekommen, dass ich lautstark durch das Untergehölz robbte.

Gerade als ich mein Vertrauen in das sanfte Rauschen des Flusses wiedergefunden hatte, dass angeblich alle meine Geräusche übertönt, hörte ich von weiter vorne jemanden „BUH“ rufen, und mein Teampartner wurde gefangen. Danach suchten die Trapper akribisch jedes Gebüsch ab und kamen mir immer näher. Also stand ich auf und dachte, wenn ich jetzt einfach über den Platz schlendere und so tue als gehöre ich dazu, kann ich mir irgendetwas greifen und wegrennen. Leider kam ich nioch nicht einmal zum richtigen Aufstehen, denn direkt hinter mir stand mein kleiner Bruder.

Der Rest unserer kleinen Truppe war auch schon gefangen, der erste sogar noch vor dem richtigen „IndenSchalfsackkriechen“. Ein Teilnehmer hatte sich etwas tiefer in die Büsche geschlagen und hatte durch Zufall den Überfäller vor dem Überfall entdeckt. Damit hatte sich auch das kleine Mysterium gelöst warum plötzlich Funkstille zwischen uns und Team Beta herrschte, das eine Team war einfach schon gefangen (und nicht beleidigt weil wir es nicht verstanden haben). Blöderweise werden dann Mitarbeiter ins Küchenzelt gesetzt, sodass die Mitüberfäller kaum eine Chance haben irgendetwas zu stehlen. Das energische „Anne, runter!“, gab es laut meinem Teampartner auch nicht, sondern war angeblich nur die Frage wo ich bin. Die Kommunikation und Planung üben wir noch.
Erfolglos holten wir also unsere Schlafsäcke und bauten uns aus den Biertischgarnituren Betten für die Nacht, wobei die Hälfte von uns schon wieder nachhause fuhr. Aus fadenscheinigen Gründen wie Rückkehrzeiten zur Kaserne und anderen Verpflichtungen, aber ich glaube, dass sie einfach nur der Taufe entgehen wollten, die dann am nächsten Morgen auch folgte.
Zumindest war ich danach wach genug, um meinen Brüdern ein letztes Abschiedsfoto aufzudrängen und mich mit einer Umarmung zu verabschieden.

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