Erste Arbeitstage

24.08.16

Montagmorgen um 6:20 Uhr aufstehen. Das ging zu Schulzeiten einfacher und jetzt bin ich einfach nur müde und friere, da das Haus immer kalt ist und die Sonne noch nichts aufwärmen konnte. Jammern bringt aber nichts und sobald alle fünf Mosaic Freiwilligen im Auto saßen, war ich doch wach und aufgeregt und wir wurden direkt quer durch das township Ikageng gefahren. Bis auf die Ledermanufaktur Made by Mosaic und die Bäckerei haben wir also ganz Mosaic Potch kennengelernt und nebenbei die Regeln, die für die Kinder im Afterschoolprogramm gelten beigebracht bekommen. Verstößt ein Kind gegen eine der Regeln bekommt es zum Beispiel einen Red Dot und darf freitags nicht an der besonderen Aktion (wie einen Film schauen oder im Kinderheim schwimmen gehen) teilnehmen. Ich durfte die Regeln direkt wieder vergessen, denn ich landete bei den Juniors, den Kindern im Kindergartenalter. Das war doch sehr anders als erwartet, vor allem weil die meisten besser Setswana als Englisch sprechen konnten und das Prinzip stillsitzen oder zuhören noch nicht verstanden haben. Außerdem stand ich erst einmal etwas ungeschickt daneben, um überhaupt erstmal den Ablauf kennenzulernen, der anscheinend immer variiert. Grundsätzlich soll den Kindern aber erst etwas beigebracht werden wie das Alphabet, die Zahlen oder warum man Zähne putzen muss, es wird etwas vorgelesen und dann gespielt. Das einzig Unangenehme war, dass die Kinder natürlich nicht wie kleine Engel mitgemacht haben, sondern spontan und unwillkürlich geklatscht oder geschrien haben oder aufgestanden sind und dann von ihrer Betreuerin geschlagen wurden. Das war kein fester Schlag ins Gesicht, sondern „nur“ ein leichter auf die Hand und obwohl ich darauf vorbereitet war, dass das hier Sitte ist (NICHT bei den großen Kindern im Afterschoolprogramm),  war es doch irgendwie krass. Besser gehört haben sie trotzdem nicht..

Müde vom ersten Tag, fielen wir schon um sieben ins Bett (gefühlte 10 Uhr) und zumindest ich schlief prima, sodass wir am nächsten Tag direkt mit unseren eigenen Ideen ins Afterschoolprogramm starten konnten. Für die Juniors wurde ein Winnie Pooh Buch herausgesucht und das Lied Head and Shoulders trainiert, während wir uns für die gemeinsame Zeit nach den Hausaufgaben und dem Lernen unter dem Thema Arts and Crafts Anleitungen für Papierflieger ausdruckten. Mitzugestalten und mitzumachen hat dann direkt mehr Spaß gemacht als nur zuzuschauen und ich glaube unser kleiner Papierfliegerwettbewerb kam bei den Kindern auch recht gut an. Viele kannten noch nicht einmal einen simplen Papierflieger, sodass wir sie vielleicht auf eine destruktive  Idee gebracht haben, was den Schulunterricht angeht ;).
Nach nur zwei Tagen kennenlernen und liebgewinnen mussten Lars und ich uns schon wieder verabschieden und haben zu einem Gruppenfoto genötigt, dass irgendwie alles einfängt. Niemand kann still stehen und ein Teil ist überbelichtet.

Mittwoch ging es endlich nach Kapstadt! Beziehungsweise nach Wellington und ins dortige township Mbekweni.  Nach einem zweistündigen Flug wurden wir von Meyer abgeholt und sind direkt weitergefahren zur Baustelle von Mosaic. Dort werden gerade mit Hilfe von 24 weiteren deutschen Freiwilligen (ganzen Familien) die ersten Häuser gebaut und wir wurden direkt mit eingespannt und durften verputzen. Genau das richtige nach einem langen Flug und viel rumsitzen!

Danach wurde noch etwas die Gegend bewundert. Im Gegensatz zu Potch ist es hier wunderschön grün mit tollen Bergen! Eine Stunde entfernt sollen wir schon am Strand sein, also werde ich mich als ewig unentschlossener Meer.- und Bergfan sehr wohl fühlen!
Morgen fliegt Meyer wieder zurück nach Potch, sodass Lars und ich direkt alle Arbeiter abholen und zur Arbeit bringen dürfen, nachdem uns der Weg einmal gezeigt wurde. Zum Glück ist der Weg nicht zu schwer, also sollte das machbar sein und am Freitag kommen Meyer und Louise schon wieder nach Wellington, da dort gerade eine große Ablösung stattfindet und wir so schnell wie möglich eingearbeitet werden sollen.

Blick aus dem Zimmer!

Trotzdem haben wir morgen bis zum Afterschoolprogramm Zeit unsere Zimmer einzurichten, die bisher noch recht trist aussehen und deren Schränke schon besser ausgesehen haben. Im Vergleich zu den Unterkünften in Potch sehen sie ziemlich traurig aus, aber ich glaube sobald die Wände behängt sind, wird das langsam wohnlicher. Louise kommt nach dem Wochenende mit uns die nötigsten Sachen wie einen Mülleimer und einen Kühlschrank einkaufen.

Ab nach Potch!

21.08.16

Gestern morgen wurden dann die Koffer wieder zusammengepackt und irgendwie muss mein Koffer geschrumpft sein oder meine Sachen müssen sich vermehrt haben, denn der Koffer ging kaum noch zu. Ich habe schon ein bisschen Angst vor Mittwoch, wenn es dann wieder ins Flugzeug geht und ich Gepäckmaße und die Anzahl der Gepäckstücke einhalten muss. Fürs erste mussten die Koffer aber nur in den Kofferraum von Lance, einem der Projektleiter von Mosaic Potch passen und wurden nach einer halben Stunde ruckeliger Fahrt über Staubpisten in das Cottage in Louises und Meyers (Leiter von Mosaic) Garten ausgeladen. In ihrem kleinen Gartenhüttchen dürfen Lars und ich bis Mittwoch wohnen, obwohl sie selbst erst diesen Sonntag wieder nach Hause kommen.

Nachdem unser Gepäck abgeladen war, ging es zum Kinderhaus Abraham Kriel, wo wir unser Mittagessen abholen sollten und das Gepäck der anderen Mosaic Freiwilligen umgeladen haben. Daa wurde dann schonmal zu ihrem Haus gebracht und wir verbrachten den restlichen Tag mit warten, erzählen und das Gelände erkunden bis Lance herausgefunden hatte, wo wir unser Essen abholen können und was der allgemeine Plan für heute ist.

So haben wir noch weitere Freiwillige aus Deutschland kennengelernt, die für drei Monate im Abraham Kriel arbeiten und uns ein bisschen was über die Arbeit im Waisenhaus erzählen konnten, die wahrscheinlich härter ist als bei unseren Mosaic Projekten, da wir nicht 24h auf der Arbeit sind und so riesige Gruppen an Kindern selbstständig betreuen müssen.

Perfekt zur Mittagszeit konnten wir dann auch unser Essen abholen und bekamen noch riesige Pakete an Essen mit, sodass wir uns über das Wochenende selbst versorgen können und den Mengen nach zu urteilen die Nachbarschaft gleich mit. Zumindest für Lars und mich haben sie sich etwas vertan, da wir genauso viel Essen mitbekommen haben wie die vier anderen Mosaic Freiwilligen.

Also steht schonmal fest, dass wir sonntags (heute also) zu ihrem Haus laufen und gemeinsam kochen. Die Gegend wurde uns gestern schon ein wenig von Lance gezeigt, der uns auch schon die Einsatzplätze im township gezeigt hat. Dabei hat er versucht uns auch mit den Straßen vertraut zu machen und die leicht anderen Straßenregeln zu erklären. Außer das man am Stoppschild als guter Freiwilkiger auch wirklich stoppt und die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhält, gilt nämlich an Kreuzungen „wer zuerst kommt fährt zuerst“, was doch ungewohnt ist. Nachdem Lance auch noch diebisch gelacht hat als wir immer von der falschen Seite ins Auto steigen wollte, waren alle Veränderungen, die mit dem Linksverkehr einhergehen abgedeckt und er ging mit uns und seiner Tochter in die Mooi Rivier (Schöner Fluss) Mall ein Eis essen.

Eigentlich mehr warme Zimtschnecke als Eis, aber trotzdem sehr sehr lecker :).  Dann war der Tag auch schon rum und wir sind bei unseren Häusern abgesetzt worden und eigentlich direkt ins Bett gefallen mit dem Ziel AUSSCHLAFEN!

Das hat sogar geklappt und nach einem Frühstück mit Müsli <3 liegen wir gerade noch faul in der Sonne und machen uns dann so um 1 Uhr auf zu den anderen Freiwilligen einkaufen und Mittagessen kochen. So weit sind unsere Tage hier noch sehr entspannt und ich fiebere auf mein Projekt hin! Vor allem freue ich mich darauf in meinem neuen Zuhause anzukommen und meinen Koffer für ein Jahr nicht mehr packen zu müssen!.
Ein kleines nachträgliches Bild von unserem spontanen Braai mit den anderen Freiwilligen am Abend:

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Papp und GumBoot-Dancing

19.08.16

Mein erstes Papp! Eines der Nationalgerichte hier und ein einfacher Brei aus Maismehl mit warmer Bratensoße. Zum Frühstück :D.

Noch traditioneller ist es wohl Papp mit Milch zu essen, aber das dürfen wir irgendwann anders mal ausprobieren.

Es wird hier (zumindest auf dem Seminar) gerne warm, viel und sehr süß gegessen. Sogar der Saft und das Bier ist süßer hier, sodass das Bier wie Apfelsaft und der normale Fruchtsaft an Gummibärchen mit einem besseren Geschmacksaroma erinnert.

Unser Programm für heute war eine Erinnerung an unser Sicherheitsbriefing, was wir machen dürfen und eher vermeiden sollten, um uns nicht in Gefahr zu bringen. Eigentlich war es nur noch einmal eine Wiederholung von unserem Sicherheitscheck in Bad Honnef, aber das Auffrischen war nötig. Damach ging es in Kleingruppen zu den Projektleitern und man hat seine Aufgaben erklärt bekommen. Bei Lars und mir war das immer noch nicht möglich, weil kein Projektleiter aus Kapstadt da war. Allerdings soll das Projekt irgendwann so aufgebaut sein wie in Potch, also können wir uns schonmal eine grobe Vorstellung davon machen wie ein Arbeitstag abläuft.

Nachmittags konnte man entweder Bubble Football oder eine Art Bogenschießen-Paintball spielen.

Beim Bubble-Fußball kugelt man eigentlich nur die Gegend und trifft eher zufällig den Ball. Es macht allerdings auch viel mehr Spaß  gegen die anderen Leute zu springen und umzufallen, sodass der Fußball eher unbeachtet bleibt.
Statt einem normalen Abendessen fand dann heute ein Braai statt, ein kleines Grillfest mit viel Fleisch, Mais, Salat und einem mit Käse und Speck überbackenem Brot. Davon gibt es kein Foto, weil ich zu hungrig und das Essen zu lecker war, vor allem das Fleisch hier ist einfach fantastisch und einfach nicht mit irgendetwas Deutschem zu vergleichen. Es hat sogar schon drei Vegetarier dazu gebracht es wenigstens zu probieren, einfach weil Fleisch essen fast schon ein Teil der Kultur hier ist. Zumindest wird das Konzept „Vegetarier“ nicht ganz verstanden und es wird gerne Hühnchen als vegetarischer Ersatz zum Fleisch angeboten.

Kurz nach dem Essen wurden uns von Tanzgruppen aus den anliegenden Waisenhäusern wie aus dem  Abraham Kriel Center ein GumBoot Tanz vorgeführt.

In Gummistiefeln wird aufgestampft und erst in die Hände und dann auf die Gummistiefel oder andersrum oder gleichzeitig geklatscht und das alles so schnell, dass man mit den Augen kaum mitkommt. Danach durften ein paar Freiwillige es auch mal ausprobieren, aber richtig geklappt hat es nicht.

Danach traten die Mädchen mit einem „normalen“ Tanz auf, wobei schon das normal eine Untertreibung ist, weil die Kinder sich unglaublich gut bewegen konnten und wirklich Spaß daran hatten. Nach ihrem Tanz wurden wir dann von den Mädchen traditionell angemalt, sodass ich für den Rest des abends mit einem Smiley auf den Backen durch die Gegend gelaufen bin, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das wirklich eine traditionelle Bemalung war..

Cinthu (eine Mitfreiwillige) und ich mit unserer Bemalung! Durch das schlechte Licht vielleicht nicht allzu gut zu erkennen.

Nachdem die Kinder sich auf den Heimweg gemacht haben, wurde nur noch viel erzählt und der letzte Abend als große Gruppe genossen. Morgen werden wir dann auf die Projekte aufgeteilt und sehen uns erst alle in einem halben Jahr wieder. Für Lars und mich geht es aber erst mal mit nach Potch ins dortige Mosaic.

Welcome to South Africa

17.08.2016

Auf dem Flughafen habe ich mich dann mal eben von Mama und Papa verabschiedet, ganz locker und leicht, denn irgendwie hatte ich mehr ein Klassenfahrtsgefühl als wir zu 50igst durch den Flughafen marschiert sind. Zu meiner Beruhigung habe ich sogar Mitfreiwillige gefunden, die ein ähnliches Gefühlswirrwarr hatten und haben, sodass ich mich augenblicklich besser fühlte und alle Zweifel als normal in meinem Gehirn ablegen konnte und kein Grund zur Beunruhigung mehr sind. Sie gehören dazu, genauso wie das Freuen!

Nach einem ewig andauernden Check-in bei dem mir fast meine Bastelschere abgenommen wurde, die ich achtlos mitsamt Mäppchen in letzter Minute in meinen Rucksack gefeuert hatte, hieß es noch einmal warten und warten.

Irgendwann waren wir aber alle auf unseren Plätzen im Flugzeug angekommen und ich genoß den Fensterplatz! Der hat mir beim Schlafen zwar nicht geholfen, aber die Aussicht war fantastisch, da wir zeitweise einen wolkenlosen Himmel und einen fast vollen, hellen Mond hatten.

Nach 10 Stunden Flug und einer 2 1/2 stündigen Busfahrt kamen wir dann auf einer Farm in Potch an, auf der unser Ankunftsseminar stattfindet. Es ist sehr merkwürdig links zu fahren und noch verwirrender ist es, wenn sich nicht alle ans rechts überholen halten. Dafür sehen wir direkt beim Aussteigen aus dem Bus unser erstes Zebra zwischen den Rindern und Pferden der Farm stehen.

Natürlich hatte niemand einen Foto zur Hand, aber es war trotzdem ein schönes Willkommensgeschenk.

Nach dem Betten beziehen wurde dann das Gelände erkundet. Sogar einen Naturpool gibt es hier und obwohl noch Winter ist, heizt die Sonne alles auf und nur im Schatten und in den Häusern bleibt es kühl, sodass man im Zwiebellook rumläuft, aber zur Abwechslung die Klamotten immer anzieht sobald es ins Haus geht.

Mittags hatten wir sogar schon eine Seminarstunde mit unseren altbekannten Liedern und es gab nähere Infos zu unseren Projekten. Schon Samstag geht es nämlich für alle Freiwilligen in ihre Projekte, nur Lars und ich fliegen erst Samstag nach Kapstadt und bleiben bis dahin im Mosaic Projekt in Potch.

Mit einem Lagerfeuer und einem Springboekkie ( ein Shot mit Minzschnaps und Amarula) und einer richtig coolen Band, die viele Lieder auswendig und spontan mit Trommel und Gitarre begleiten konnten, wurde der erste Tag auch schon beendet.
Ohne Sonne war es schlagartig kalt und durch den frühen Sonnenuntergang um 7 Uhr wird die Winterjacke auch wirklich gebraucht, genauso wie die vielen Decken und der Schlafsack. Allerdings ist ja auch noch Winter und ich bin schon auf den Sommer, der angeblich in wenigen Wochen beginnen soll und auf das Klima in Kapstadt, dass auf jeden Fall feuchter sein soll, gespannt.

Blöderweise klappt das Mobile Netz trotz neuer Simkarte bei meinem Handy (hoffentlich noch)  nicht, deswegen wird offline geschrieben und dann auf einen Schlag alles was sich so angesammelt hat veröffentlicht! Also bitte nicht von den Daten verwirren lassen!

Vorbereitungsseminar: Heita und Dumelang (HALLO!)

Vor jedem Freiwilligendienst mit weltwärts gibt es Vorbereitungs-, Zwischen- und Nachbereitungsseminare, in denen die Freiwilligen unterstützt und begleitet werden sollen. Der Sitz meiner Entsendungsorganisation DSJW ist in Bad Honnef und so trafen sich in der dortigen Jugendherberge alle 52 Freiwillige, die mit mir am 17. August nach Johannesburg fliegen, zum ersten Seminar -> das Vorbereitungsseminar vom 22.05-29.05.

Die Anfahrt verlief leider nicht ganz reibungslos und in meinen Gedanken schwirrte schon das peinliche Zuspätkommen herum und vermischte sich mit meiner allgemeinen Aufregung. Durch die leichte Verspätung des ICs hatte ich nur noch 4 Minuten Umsteigezeit und ich sprintete zum nächsten Gleis, wo der Zug eine Minute zu früh abfuhr und ich ihm nur noch hinterherwinken konnte. Mit mir standen zwei weitere Jugendliche am Bahnsteig, auch mit Koffern und genauso verärgert wie ich über die verfrühte Abfahrt und nach einem kurzen Moment des gegenseitigen Musterns stellte sich heraus, dass wir alle zum Vorbereitungsseminar wollen. Zusammen suchten wir also einen Alternativzug, trafen eine weitere Freiwillige und ich war überglücklich, dass ich nicht von 62 neuen Gesichtern (10 Freiwillige sind von der Organisation FRIENDS) erschlagen werde, sondern eine kleine Gruppe jetzt schon kennenlernen konnte und wir zusammen zu spät sein würden.

Nach einem steilen Anstieg zur Jugendherberge und der positiven Überraschung, dass wir es noch rechtzeitig geschafft hatten, ging das Kennenlernen von anderen Freiwilligen dann richtig los. An der Eingangstür wurden Namensschilder verteilt auf denen auch das Projekt der Person stand, sodass man nicht sofort alle Namen auswendig lernen muss und seinen Projektpartner finden konnte. Das Ansprechen und Befreunden mit anderen Freiwilligen war viel einfacher als erwartet. Man ist einfach auf einer Wellenlänge und kann sofort offen miteinander sprechen und lachen. Dadurch dass die Freiwilligen aus ganz Deutschland kommen, waren zur Belustigung aller auch alle Dialekte und Schulsysteme vertreten, sodass das erste Gesprächsthema leicht zu finden war. Das Tolle an der Freiwilligenaussendung des DSJW ist aber auch, dass wir Freiwillige als Gruppe zusammenwachsen und dann auch zusammen nach Südafrika fliegen, in Kapstadt Silvester feiern, ein gemeinsames Zwischenseminar stattfindet und man sofort Leute kennenlernt mit denen man vielleicht während der Urlaubszeiten in Südafrika herumreisen kann. Das ist vor allem für mich wichtig, da ich mit meinem Projektpartner anders als die anderen Frewilligen nicht in der Nähe von Johannesburg leben werde, sondern im Western Cape bei Kapstadt. Die Einladung an alle DSJW-Freiwilligen über Silvester zu kommen und mich zu besuchen steht also schon 🙂

Die Seminarbegleiter waren teilweise auch Mentoren und Projektleiter, die extra aus Südafrika angereist sind, um uns mit den südafrikanischen Bräuchen, der Landesgeschichte, der politischen Lage und den Projekten aus erster Hand zu erzählen. Somit fanden (fast) alle Vorträge in Englisch statt und man konnte sich schon mit den vorrausichtlichen Mitarbeitern und Kontaktpersonen anfreunden. Mein Projekt im Western Cape wurde leider nicht vertreten, da es noch sehr jung und im Aufbau ist und somit keiner der Projektmitarbeiter nach Deutschland kommen konnte. Als dann auch noch mein Mitfreiwilliger, der mit mir in einem Projekt arbeiten wird, krank wurde bevor ich ein Wort mit ihm wechseln konnte und wir doch sehr weit entfernt von den anderen Projekten liegen und somit von anderen DSJW-Frewilligen isoliert sein werden, habe ich kurz Panik bekommen. Alle Projekte der anderen Frewilligen hörten sich unheimlich toll an und die Gruppen, die zusammen in einer WG leben werden verstanden sich auf Anhieb, sodass ich mir umso mehr Sorgen um mein Projekt machte. Zum Glück bekam ich durch Zufall die Nummer von Kira, die Freiwillige die jetzt gerade in meinem Projekt arbeitet und ich konnte alle Fragen zu meinen Tätigkeiten, meiner Unterkunft und dem Universum allgemein loswerden. Ich habe so viele Fragen gestellt, dass ich Angst hatte sie zu nerven. Stattdessen antwortete sie mit Videos von ihrer Arbeit, langen Sprachnachrichten mit guten Tipps und ein paar afrikanischen Liedern (damit ich schon einmal das richtige Feeling bekomme) aber obwohl ich so viele Fragen beantwortet bekommen habe, kann ich mir einfach immer noch kein Bild von dem machen was da auf mich zukommt. So ändern sich meine Aufgaben mit dem Aufbau meines Projektes, dass jetzt anfängt seine Container durch echte Häuser zu ersetzen und zum Beispiel eine Bäckerei eröffnen will. Das steigert die Vorfreude und Aufregung natürlich umso mehr und ich kann es kaum erwarten!
Nach fünf Tagen erhob sich dann auch mein Projektpartner wieder vom Krankenbett und ich erfuhr seinen Namen: LARS. Für viel mehr Konversation reichten unsere Begegnungen dann aber nicht aus, wobei er nach einem ersten Misverständnis doch einen sympathischen Eindruck machte. Während des Seminars hatte ich das Gefühl dann zwanghaft Konversation zu betreiben und spätestens wenn wir alleine Richtung Kapstadt fliegen, werden wir miteinander auskommen (müssen).
Ein bisschen Angst wird einem dann nur mit der Sicherheitsbelehrung gemacht, in der Verhaltensregeln aufgestellt werden, die wir so in Deutschland nicht brauchen und damit auch nicht kennen. Ein paar Regeln wie „niemals im Dunkeln alleine unterwegs zu sein“, „keine unnötigen Wertgegenstände mit sich führen“ oder „gewisse Straßen und Bars zu meiden“ erinnern noch an eine europäische Großstadt, aber die Verhaltensregeln bei Schlangenbegegnungen oder Überfällen sind uns dann doch neu. Sehr eindringlich machte uns vor allem einer der Projektleiter klar, dass wir immer Pfefferspray und ein geladenes Handy mit uns führen sollen und nie, wirklich NIE Kopfhörer auf oder in den Ohren haben sollen. Dann hören wir weder die vorbeikommenden Autos, noch die warnenden Zischlaute der Schlangen im Gebüsch. Genauso wichtig ist es NIE mit dem Auto anzuhalten, wenn wir einen Unfall/eine Verletzte Person/ein kleines Kind am Straßenrand sehen, denn meistens ist das eine Falle und  die Polizei soll während der Fahrt alamiert werden.
Erschlagen von so viel Kriminalität wurde dann aber relativiert, dass eigentlich nichts passieren kann, wenn man sich an die jetzt gelernten Grundregeln hält und sich bewusst ist, dass man allgemein vorsichtiger und achtsamer in Südafrika sein sollte als in Deutschland. Durch die doch heftigen Beispiele sind diese Regeln fürs erste in mein Gehirn eingebrannt!

Neben diesem etwas negativen Einblick lernten wir natürlich auch die schönen Seiten von Südafrika kennen und die Seminarleiter gaben alles, um uns eine möglichst authentische Wiedergabe ihres Heimatlandes zu vermitteln.
Mit afrikanischen Schlagern wie Kaptein  oder Loslappie wurde uns Afrikaans nähergebracht und gleichtzeitig lernten wir dazu schon die ersten nützlichen Tanzschritte, da man da unten sehr sehr viel tanzt und singt. Natürlich durfte Shosholosa oder die Südafrikanische Nationalhymne nicht fehlen und wir hatten sehr viel Spaß die Lieder zu lernen. Richard, unser südafrikanischer Seminarleiter brachte sich damals durch deutsche Schlager Deutsch bei und meinte als wir zum 5. Mal Kaptein sangen und schunkelten, dass Lieder der beste Weg sind um sich in Sprachen einzufühlen. Trotzdem würde er uns eine Liste mit den 800 wichtigsten Vokabeln schicken, die wir auswendig lernen können, da man sich dann ohne Probleme verständigen kann. Der große Vorteil an Afrikaans ist jedoch, dass die Sprache erfunden wurde damit sich alle Südafrikaner mit ihren Dialekten oder holländischen oder englischen Wurzeln schnell verständigen können. Dementsprechend ist die Grammatik der Sprache noch simpler als Englisch und lesen kann man sie schon recht gut. Falls ich also Zeit und Muße habe werde ich zuhause schon einmal anfangen zu lernen. So kommt es auch bei den Projektmitarbeitern und -leitern immer besser an schon ein paar Brocken Afrikaans oder Setswana zu können, da man damit zeigt, dass man sich für ihre Sprache und Kultur interessiert was bei mir auf jeden Fall zutrifft. Außerdem klingt Afrikaans auch noch so niedlich, da der Blumentopf zum „Bloompot“ (einfach so ausprechen wie es geschrieben wird) wird und ich die Universalantwort „sharp, sharp“ (tschab,tschab-> gut,gut) direkt in meinen alltäglichen Wortschatz einbringen will.
Sogar mein Visum ist schon per Post eingetrudelt und jetzt müssen nur noch ein paar Einkäufe gemacht und ein Konto angelegt werden. Ich bin gespannt wie schnell zwei Monate vorbei gehen.

Mein riesiges Dankeschön für die vielen Spenden wird hiermit durch ein noch viel größeres DANKESCHÖN ersetzt, denn mir fehlen nur noch 522,89€ dann habe ich alle Spenden zusammen!

Jeder noch so kleine Betrag unterstützt mich und das DSJW, da das BMZ  nur 75% der Kosten übernimmt und der Rest die Entsendeorganisation zu tragen hat. Das DSJW hat jedoch kein Budget, um 52 Freiwillige zu finanzieren und bittet deshalb uns Freiwillige Spenden zu sammeln. Natürlich ist es auch möglich diesen Beitrag nicht zu leisten und trotzdem am Freiwilligendienst teilzunehmen. Allerdings belastet dies dann unsere Entsendeorganisation und ich finde es wichtig ihre Arbeit mit den Spendengeldern anzuerkennen. So sind die Mitarbeiter im DSJW unsere direkten Ansprechpartner, kümmern sich zum Beispiel bei akuten Krankenhausaufenthalten um das Formale oder helfen bei der Visabeantragung, wirken allgemein begleitend und unterstützen uns während unseres gesamten Auslandsjahres wo sie können.
Wer also Interesse hat, mich in meinem Freiwilligendienst und das DSJW zu unterstützen kann mir hier eine Spende senden.