Vorbereitungsseminar: Heita und Dumelang (HALLO!)

Vor jedem Freiwilligendienst mit weltwärts gibt es Vorbereitungs-, Zwischen- und Nachbereitungsseminare, in denen die Freiwilligen unterstützt und begleitet werden sollen. Der Sitz meiner Entsendungsorganisation DSJW ist in Bad Honnef und so trafen sich in der dortigen Jugendherberge alle 52 Freiwillige, die mit mir am 17. August nach Johannesburg fliegen, zum ersten Seminar -> das Vorbereitungsseminar vom 22.05-29.05.

Die Anfahrt verlief leider nicht ganz reibungslos und in meinen Gedanken schwirrte schon das peinliche Zuspätkommen herum und vermischte sich mit meiner allgemeinen Aufregung. Durch die leichte Verspätung des ICs hatte ich nur noch 4 Minuten Umsteigezeit und ich sprintete zum nächsten Gleis, wo der Zug eine Minute zu früh abfuhr und ich ihm nur noch hinterherwinken konnte. Mit mir standen zwei weitere Jugendliche am Bahnsteig, auch mit Koffern und genauso verärgert wie ich über die verfrühte Abfahrt und nach einem kurzen Moment des gegenseitigen Musterns stellte sich heraus, dass wir alle zum Vorbereitungsseminar wollen. Zusammen suchten wir also einen Alternativzug, trafen eine weitere Freiwillige und ich war überglücklich, dass ich nicht von 62 neuen Gesichtern (10 Freiwillige sind von der Organisation FRIENDS) erschlagen werde, sondern eine kleine Gruppe jetzt schon kennenlernen konnte und wir zusammen zu spät sein würden.

Nach einem steilen Anstieg zur Jugendherberge und der positiven Überraschung, dass wir es noch rechtzeitig geschafft hatten, ging das Kennenlernen von anderen Freiwilligen dann richtig los. An der Eingangstür wurden Namensschilder verteilt auf denen auch das Projekt der Person stand, sodass man nicht sofort alle Namen auswendig lernen muss und seinen Projektpartner finden konnte. Das Ansprechen und Befreunden mit anderen Freiwilligen war viel einfacher als erwartet. Man ist einfach auf einer Wellenlänge und kann sofort offen miteinander sprechen und lachen. Dadurch dass die Freiwilligen aus ganz Deutschland kommen, waren zur Belustigung aller auch alle Dialekte und Schulsysteme vertreten, sodass das erste Gesprächsthema leicht zu finden war. Das Tolle an der Freiwilligenaussendung des DSJW ist aber auch, dass wir Freiwillige als Gruppe zusammenwachsen und dann auch zusammen nach Südafrika fliegen, in Kapstadt Silvester feiern, ein gemeinsames Zwischenseminar stattfindet und man sofort Leute kennenlernt mit denen man vielleicht während der Urlaubszeiten in Südafrika herumreisen kann. Das ist vor allem für mich wichtig, da ich mit meinem Projektpartner anders als die anderen Frewilligen nicht in der Nähe von Johannesburg leben werde, sondern im Western Cape bei Kapstadt. Die Einladung an alle DSJW-Freiwilligen über Silvester zu kommen und mich zu besuchen steht also schon 🙂

Die Seminarbegleiter waren teilweise auch Mentoren und Projektleiter, die extra aus Südafrika angereist sind, um uns mit den südafrikanischen Bräuchen, der Landesgeschichte, der politischen Lage und den Projekten aus erster Hand zu erzählen. Somit fanden (fast) alle Vorträge in Englisch statt und man konnte sich schon mit den vorrausichtlichen Mitarbeitern und Kontaktpersonen anfreunden. Mein Projekt im Western Cape wurde leider nicht vertreten, da es noch sehr jung und im Aufbau ist und somit keiner der Projektmitarbeiter nach Deutschland kommen konnte. Als dann auch noch mein Mitfreiwilliger, der mit mir in einem Projekt arbeiten wird, krank wurde bevor ich ein Wort mit ihm wechseln konnte und wir doch sehr weit entfernt von den anderen Projekten liegen und somit von anderen DSJW-Frewilligen isoliert sein werden, habe ich kurz Panik bekommen. Alle Projekte der anderen Frewilligen hörten sich unheimlich toll an und die Gruppen, die zusammen in einer WG leben werden verstanden sich auf Anhieb, sodass ich mir umso mehr Sorgen um mein Projekt machte. Zum Glück bekam ich durch Zufall die Nummer von Kira, die Freiwillige die jetzt gerade in meinem Projekt arbeitet und ich konnte alle Fragen zu meinen Tätigkeiten, meiner Unterkunft und dem Universum allgemein loswerden. Ich habe so viele Fragen gestellt, dass ich Angst hatte sie zu nerven. Stattdessen antwortete sie mit Videos von ihrer Arbeit, langen Sprachnachrichten mit guten Tipps und ein paar afrikanischen Liedern (damit ich schon einmal das richtige Feeling bekomme) aber obwohl ich so viele Fragen beantwortet bekommen habe, kann ich mir einfach immer noch kein Bild von dem machen was da auf mich zukommt. So ändern sich meine Aufgaben mit dem Aufbau meines Projektes, dass jetzt anfängt seine Container durch echte Häuser zu ersetzen und zum Beispiel eine Bäckerei eröffnen will. Das steigert die Vorfreude und Aufregung natürlich umso mehr und ich kann es kaum erwarten!
Nach fünf Tagen erhob sich dann auch mein Projektpartner wieder vom Krankenbett und ich erfuhr seinen Namen: LARS. Für viel mehr Konversation reichten unsere Begegnungen dann aber nicht aus, wobei er nach einem ersten Misverständnis doch einen sympathischen Eindruck machte. Während des Seminars hatte ich das Gefühl dann zwanghaft Konversation zu betreiben und spätestens wenn wir alleine Richtung Kapstadt fliegen, werden wir miteinander auskommen (müssen).
Ein bisschen Angst wird einem dann nur mit der Sicherheitsbelehrung gemacht, in der Verhaltensregeln aufgestellt werden, die wir so in Deutschland nicht brauchen und damit auch nicht kennen. Ein paar Regeln wie „niemals im Dunkeln alleine unterwegs zu sein“, „keine unnötigen Wertgegenstände mit sich führen“ oder „gewisse Straßen und Bars zu meiden“ erinnern noch an eine europäische Großstadt, aber die Verhaltensregeln bei Schlangenbegegnungen oder Überfällen sind uns dann doch neu. Sehr eindringlich machte uns vor allem einer der Projektleiter klar, dass wir immer Pfefferspray und ein geladenes Handy mit uns führen sollen und nie, wirklich NIE Kopfhörer auf oder in den Ohren haben sollen. Dann hören wir weder die vorbeikommenden Autos, noch die warnenden Zischlaute der Schlangen im Gebüsch. Genauso wichtig ist es NIE mit dem Auto anzuhalten, wenn wir einen Unfall/eine Verletzte Person/ein kleines Kind am Straßenrand sehen, denn meistens ist das eine Falle und  die Polizei soll während der Fahrt alamiert werden.
Erschlagen von so viel Kriminalität wurde dann aber relativiert, dass eigentlich nichts passieren kann, wenn man sich an die jetzt gelernten Grundregeln hält und sich bewusst ist, dass man allgemein vorsichtiger und achtsamer in Südafrika sein sollte als in Deutschland. Durch die doch heftigen Beispiele sind diese Regeln fürs erste in mein Gehirn eingebrannt!

Neben diesem etwas negativen Einblick lernten wir natürlich auch die schönen Seiten von Südafrika kennen und die Seminarleiter gaben alles, um uns eine möglichst authentische Wiedergabe ihres Heimatlandes zu vermitteln.
Mit afrikanischen Schlagern wie Kaptein  oder Loslappie wurde uns Afrikaans nähergebracht und gleichtzeitig lernten wir dazu schon die ersten nützlichen Tanzschritte, da man da unten sehr sehr viel tanzt und singt. Natürlich durfte Shosholosa oder die Südafrikanische Nationalhymne nicht fehlen und wir hatten sehr viel Spaß die Lieder zu lernen. Richard, unser südafrikanischer Seminarleiter brachte sich damals durch deutsche Schlager Deutsch bei und meinte als wir zum 5. Mal Kaptein sangen und schunkelten, dass Lieder der beste Weg sind um sich in Sprachen einzufühlen. Trotzdem würde er uns eine Liste mit den 800 wichtigsten Vokabeln schicken, die wir auswendig lernen können, da man sich dann ohne Probleme verständigen kann. Der große Vorteil an Afrikaans ist jedoch, dass die Sprache erfunden wurde damit sich alle Südafrikaner mit ihren Dialekten oder holländischen oder englischen Wurzeln schnell verständigen können. Dementsprechend ist die Grammatik der Sprache noch simpler als Englisch und lesen kann man sie schon recht gut. Falls ich also Zeit und Muße habe werde ich zuhause schon einmal anfangen zu lernen. So kommt es auch bei den Projektmitarbeitern und -leitern immer besser an schon ein paar Brocken Afrikaans oder Setswana zu können, da man damit zeigt, dass man sich für ihre Sprache und Kultur interessiert was bei mir auf jeden Fall zutrifft. Außerdem klingt Afrikaans auch noch so niedlich, da der Blumentopf zum „Bloompot“ (einfach so ausprechen wie es geschrieben wird) wird und ich die Universalantwort „sharp, sharp“ (tschab,tschab-> gut,gut) direkt in meinen alltäglichen Wortschatz einbringen will.
Sogar mein Visum ist schon per Post eingetrudelt und jetzt müssen nur noch ein paar Einkäufe gemacht und ein Konto angelegt werden. Ich bin gespannt wie schnell zwei Monate vorbei gehen.

Mein riesiges Dankeschön für die vielen Spenden wird hiermit durch ein noch viel größeres DANKESCHÖN ersetzt, denn mir fehlen nur noch 522,89€ dann habe ich alle Spenden zusammen!

Jeder noch so kleine Betrag unterstützt mich und das DSJW, da das BMZ  nur 75% der Kosten übernimmt und der Rest die Entsendeorganisation zu tragen hat. Das DSJW hat jedoch kein Budget, um 52 Freiwillige zu finanzieren und bittet deshalb uns Freiwillige Spenden zu sammeln. Natürlich ist es auch möglich diesen Beitrag nicht zu leisten und trotzdem am Freiwilligendienst teilzunehmen. Allerdings belastet dies dann unsere Entsendeorganisation und ich finde es wichtig ihre Arbeit mit den Spendengeldern anzuerkennen. So sind die Mitarbeiter im DSJW unsere direkten Ansprechpartner, kümmern sich zum Beispiel bei akuten Krankenhausaufenthalten um das Formale oder helfen bei der Visabeantragung, wirken allgemein begleitend und unterstützen uns während unseres gesamten Auslandsjahres wo sie können.
Wer also Interesse hat, mich in meinem Freiwilligendienst und das DSJW zu unterstützen kann mir hier eine Spende senden.

Mal eben in Berlin vorbeischauen

Nachtrag von gestern, wer sich über die Wochentage wundert 😉

Alle Dokumente besorgt, mein Führugszeugnis kam früher an als erwartet und nichts stand der Visumsbeantragung in Berlin mehr im Wege.

Mein Bruder Phillip entschied sich dazu mitzufahren und Mittwoch ging es mit dem Flixbus los. 8 Stunden Fahrt standen uns bevor, die ich jedoch zum größten Teil erfolgreich verschlief. Nur gegen Ende wurde das Sitzen trotz großer Beinfreiheit unbequem und wir waren froh als wir ankamen.

Dann ging es als erstes an meinen Lieblingsplatz in Berlin: Die U-Bahn und das herrlich vernetzte U-Bahnsystem. Keine Frage als Dorfkind ist man einfach glücklich über S- Bahnen die den ganzen Tag im fast 2 Minutentakt fahren und man sich um keine Abfahrtszeiten oder letzte Züge am Tag kümmern muss. Die leicht abgestandene Luft und die Winde in den U-Bahntunneln machen für mich eben den Großstadtflair aus.

Da mittwochs die südafrikanische Botschaft geschlossen hat, beschlossen wir den restlichen Tag  die Hauptattraktionen abzuklappern und morgen so früh wie  möglich zur Botschaft zu gehen.

Gesagt getan, wir machten uns heute um 8 Uhr auf Richtug Botschaft und bestaunten auf dem Weg die vielen unterschiedlich gestalteten Gebäude der Länder, um festzustellen dass wir 10 Minuten zu früh angekommen waren. Etwas unschlüssig liefen wir die Straße noch einmal rauf und runter bis ich um Punkt 9 Uhr (die offizielle Öffnungszeit) mich in das Gebäude reintraute. Denn mit den hohen Zäunen und Polizisten wirkt die Botschaft eher abschreckend und ich wollte nicht zu früh ankommen. Diese Sorge hättw ich mir allerdings spaten können, denn der Wartesaal war bereits gefüllt und ich zog die Wartenummer 22 (es begann bei 1). Phillip verzog sich in die Innenstadt, da nur begleitende Eltern und der Antragssteller auf dem Gelände warten darf und ich machte es mir auf einem Stuhl bequem. Die einzige Anweisung: Man soll leise sein, was auch immer wieder eingefordert wurde, die Dokumente bereit machen und man darf das Gelände nicht verlassen sonst verfällt die Wartenummer.


Nach einer Stunde Wartezeit (die Wartenummer stieg gerade auf 41 und es gab keine Sitzplätze mehr) fing ich an mich leise mit meiner Sitznachbarin zu unterhalten und siehe da, ihre Tochter fährt auch mit dem DSJW nach Südafrika. Kennenlernen konte ich sie nicht, da sie kurz darauf aufgerufen wurde, doch danach machte ich noch weitere DSJW-Freiwillige aus. Ich bin wohl doch nicht die Einzige, die auf den letzten Drücker das Visum beantragen muss und jetzt kann ich mich am Sonntag darauf freuen bekannte Gesichter zu treffen. Sonntag geht es nämlich schon wieder weiter auf das einwöchige Vorbereitungsseminar, wo ich auch meinen Mitfreiwilligen kennenlernen werde. Nach weiteren gefühlt ewig dauernden Minuten, wurde ich aufgerufen und gab sehr nervös meinen Riesenstapel an Formularen, Kontoauszügen und Zertifikaten ab. Ich blieb die ganze Wartezeit über aufgeregt und angespannt wie vor einer Prüfung, denn auch die strenge Atmosphäre im Warteraum lockerte die Stimmung kaum. Man sollte so leise wie möglich sein und wirklich alle sind nervös und haben Angst ein Dokument vergessen zu haben. Dementsprechend erleichtert war ich als mir gesagt wurde, dass meine application complete ist und ich keine Dokumente nachsenden muss. Jetzt heißt es 7-8 Wochen auf die Zusendung des Visums warten und die restliche Zeit in Berlin genießen.

Wir verkrochen uns also erst einmal ins Technikmuseum und verließen es erst wieder als die Lautsprecher die Schließung ankündigten, wobei wir zu diesem Zeitpunkt immer noch eine Austellung ausgelassen hatten. Beim nächsten Berlinbesuch steht es also wieder auf der ToDo-Liste.


Nach einem stärkenden Eis ging es dann quer durch Berlin bis ans Olympiastadion und wieder zurück. Wir gaben viel zu sehen und zu tun, denn morgen endet der Kurzurlaub auch schon wieder.

Zuhause ist es doch am Schönsten?

Ich bin wieder daaa! Zurück in der Heimat- eigentlich die perfekte Gelegenheit und der perfekte Zeitpunkt, um den Camino noch einmal Revue passieren zu lassen.
Wie gesagt eigentlich, denn uneigentlich startete ich an meinem ersten Tag zuhause den Behördenmarathon, um alle Dokumente für mein Visum zu bekommen. Mein Führungszeugnis ist beantragt, meine Lunge wurde geröngt, sodass Tuberkulose ausgeschlossen werden kann (wobei mir der Radiologe freudig erklärte, dass das Formular dafür noch genauso aussieht wie vor 20 Jahren und mir herrausrutschte, dass es leider auch noch dieselben Methoden von damals sind)  und der Impfstoff für Hepatitis A steht neben der Milch im Kühlschrank. Morgen geht es dann nur noch zum Arzt, der mir hoffentlich ein Formular ausstellt  in dem vermerkt ist, dass ich mich sowohl physischer als auch psychischer Gesundheit erfreue und dann heißt es zurücklehnen und warten bis ich nach Berlin fahren kann.

Nebenbei liegt vor der Waschmachine noch ein riesiger Haufen Wäsche und meine Wanderschuhe sehnen sich nach Zuwendung, wobei sich Lola über meine Schuhsohlen freut und sie bei Gelegenheit zerkauen möchte, denn die riechen so interessant. Dieses Projekt muss ich wohl auch noch angehen, bevor mir diese Blicke von meiner Mutter zugeworfen werden und ich mich schuldig fühle. Eine große Überraschung habe ich jedoch beim Ausleeren meines Rucksackes erlebt: Kein einziges Kleidungsstück oder sonstigen Kram habe ich nicht gebraucht, nur gewisse Dinge waren Luxus und wurden genau deswegen mitgeschleppt. Auf diesen Luxus wollten wir aber nicht verzichten, denn meine Nägel schneide ich mir nunmal am liebsten mit einem Nagelclipser und nicht mit dem Taschenmesser. Unser Ziel bei 10kg zu bleiben haben wir nicht erreicht, nicht weil unsere Rucksäcke durch die Dinge die auf der Packliste (Achtung: Sie gilt wirklich nur für Aprilpilger, denn im Sommer macht zum Beispiel ein Zelt oder nur ein leichter Schlafsack mehr Sinn!) standen insgesamt über 10kg kommen, sondern weil wir zusätzlich noch Schokolade/Chorizo/Käse/Äpfel/Birnen oder sonstige Snacks und Mahlzeiten mitschleppten. Irgendwann erleichterten wir unseren Rucksack um ein halbes Kilo, indem wir unsere Wasserflaschen nur noch zur Hälfte auffüllten, denn wenn es nur nass und kalt ist wird kaum getrunken. Dazu gibt es in fast jedem Ort einen Brunnen mit Trinkwasser, dessen Wasser genießbarer als das Chlorwasser aus der Leitung ist. Der unübersehbare Vorteil als Gruppenpilger, denn ab drei Personen ist man bekanntlich eine Gruppe ist der, dass man große Flaschen Schampoo mitnehmen, die billigeren großen Essenspackungen im Supermarkt kaufen kann und trotzdem jeder nicht unbedingt mehr trägt als der durchschnittliche Einzelpilger. So war es für uns deutlich einfacher abends frisch zu kochen und Instantsuppen zu vermeiden, da wir eine Packung Nudeln nun einmal komplett aufessen konnten und keine Reste mitschleppen mussten.

Außerdem waren wir dadurch, dass wir doch immer in Sichtweite zueinander gelaufen sind oder zumindest wussten, wo die anderen waren auch geschützt. So machten wir überhaupt keine schlechten Erfahrungen im Sinne von dummen Anmacheversuchen wie es uns eine Mitpilgerin schilderte und waren entspannter beim Laufen. Natürlich ist es noch einmal eine ganz andere Erfahrung den Weg alleine zu laufen, aber unheimliche Wegstrecken wie sie zum Beispiel Nadine erlebte blieben uns so erspart. Sie erzählte uns, dass für sie der schlimmste Teil des Caminos eine einsame Strecke durch den Wald neben einer Landstraße gewesen ist. Gut 50 Meter vor ihr hielt ein weißer Lieferwagen genau auf dem Weg und stellte sich quer dazu. Im Auto saßen zwei Männer, die sich aufgeregt unterhielten und anstalten machten auszusteigen. Eine sehr gruselige Situation, auch wenn man zu zweit unterwegs gewesen wäre. Von hinten kam zum Glück ein Radpilger an und Nadine konnte mit ihm am Auto vorbeigehen, doch den Rest des Tages hatte sie Herzklopfen und ihr Taschenmesser in der Hand. Als sie den Lieferwagen nach 10 Minuten noch einmal parallel zu ihr entdeckte, schrillten alle Alarmglocken und es mag paranoid klingen, aber man befürchtet einfach das Schlimmste und hat auf dem Camino auch noch zu viel Zeit um sich Gedanken zu machen. Auch in anderen Situationen wie die Einladung Raphaels in seine „Heimatherberge“, hätte ich vielleicht alleine anders gehandelt und sie nicht angenommen, obwohl man in einer Herberge nach 5 Minuten jeden kennt, nie alleine ist und alte Bekannte wiedertrifft, hätte ich die Einladung dann eventuell als zu aufdringlich empfunden.

Ein großer Nachteil oder eine Herausforderung als Gruppenpilger ist es aber als Gruppe zu laufen. Das ist zwar ein sehr offensichtlicher Punkt und eigentlich war es auch unsere Absicht zusammen diesen Weg zu gehen, weshalb man an manche Probleme einfach nicht denkt. So haben wir zwar daran gedacht, dass wir vielleicht unterschiedliche Lauftempos besitzen, aber es wäre uns nie in den Sinn gekommen, dass Einer von uns wegen einer Verletzung oder einer Riesenblase kurzzeitig laufunfähig wird. Dann wird es plötzlich schwierig, denn man möchte einerseits weiterkommen und andererseits niemanden zurücklassen und sich trennen. Wir hatten ein Riesenglück, dass Raikas Tante und Onkel gerne Urlaub machen und konnten somit die Situation lösen, aber auch später als ich meine Sehnenentzündung bekam stand die Frage wieder im Raum. Hätte ich wirklich nicht mehr mithalten können, war ich für eine Trennung, da ich nicht mit dem Bus vor- oder nachfahren wollte und schon begann die nächste Diskussion, da Raika und Marie das nicht unbedingt wollten. Wieder hatten wir hier Glück, dass sich mein Fuß besser zum Laufen eignete als gedacht und die Krise wurde überstanden beziehungsweise eine Lösung wurde nicht mehr gebraucht und wir konnten aufhören uns (fast) an die Kehle zu gehen. Überhaupt gab es auf unserem Camino sehr viel Glück und lustige Zufälle, die unseren Weg so schön gemacht haben und uns zum Weitermachen motivierten. Alleine wäre es überhaupt kein Problem seine Etappen kürzer oder länger zu machen, denn allein ist man auch unabhängig und kann sich ganz nach seinem Körper richten, während wir uns auch auf den Anderen einstellen müssen, uns dafür aber auch gegenseitig Motivieren und Antreiben können. Seine Reisebegleiter lernt man dazu auch noch sehr gut kennen und ja wir sind, obwohl wir jetzt unsere gegenseitigen Kloroutinen kennen, immer noch befreundet. Hoffe ich zumindest, denn ich habe sowohl Marie als auch Raika noch sehr gerne 😉

Drei junge Mädchen (wir haben den Altersdurchschnitt doch sehr gesenkt), die nach dem Abitur pilgern?! bekommen natürlich sofort einen Ruf und waren vielen Pilgern, die wir noch nie gesehen hatten, als die drei Mädels bekannt oder wurden laut singend von Alex angekündigt, der ein Lied über „The German Girls and their Chocolate“ dichtete und all seinen Wegbegleitern mit der Melodie auf die Nerven ging.

Wie sind uns (wieder einmal) zum Glück kaum gegenseitig auf die Nerven gegangen , denn wir konnten auch schweigen ohne dass sich die Stille unangenehm angefühlt hat und zuletzt hörten wir sogar jeder für sich Musik. Zeitweise sprachen wir sogar morgens kaum ein Wort miteinander und packten nur routiniert alles ein und fingen erst mittags an miteinander zu erzählen und zu scherzen. Überhaupt gab es sehr viel zu Lachen auf dem Camino, sei es mit Raika und Marie oder mit Leuten, die wir hier trafen denn keiner hatte wirklich schlechte Laune oder war pessimistisch und alles wurde mit Humor genommen. Es entwickelt sich dazu auch noch ein riesiges Gemeinschaftsgefühl unter den Pilgern, sodass man sich überall gut aufgehoben fühlt, mit allen Leuten reden kann und nicht nur zu dritt aufeinander hockte. Selbst wenn wir uns völligst zerstritten hätten, wären wir also noch imstande gewesen zusammen zu laufen ohne unbedingt miteinander kommunizieren zu müssen. Dann wäre unsere Zeit aber nur halb so lustig und nur halb so schön geworden und es gäbe auch keine Bilder in diesem Blog, weil Marie eigentlich jedes dieser Bilder gemacht hat und ich ziemlich fotografierfaul war. Unter jeden Blogartikel über den Jakobsweg gehört also eigentlich ein Danke Marie, für die schönen Bilder, vielleicht kann man sich das ja ab jetzt dazudenken.

Bei uns ging es also nicht immer nur harmonisch zu und das enge Aufeinanderleben ist auch ein riesiger Freundschaftstest. Bewundernswert fanden wir dann die zwei Paare, die den Camino als Hochzeitsreise liefen, denn die machen damit den ultimativen Beziehungstest nur eben nach der Hochzeit und anstatt an den Strand zu fahren laufen sie 8 Stunden am Tag durch den Regen. Der war leider ein treuer Begleiter und hörte nur für ein paar Tage gegen Ende auf. Anscheinend ist das Wetter im März/April so, dafür ist es noch vor der Saison und weder die Herbergen noch der Weg sind überfüllt. Im Nachhinein und im Trockenen sitzend bin ich sogar recht glücklich über die kühleren Temperaturen, denn ich gehöre zu den Leuten die schnell überhitzen und Kreislaufprobleme bekommen. Den Regen hätte ich als Zusatz zwar nicht gebraucht, aber durch die Kühle konnten wir viel länger am Tag laufen und hatten nie Wassersorgen. Von Ramona haben wir erfahren, dass man im Sommer nur morgens und abends für kurze Zeit laufen kann, weil es sonst zu heiß wird und dann gerade die langen 15km Etappen ohne Dorf oder Brunnen oder Schatten richtig gefährlich werden können. Dafür sitzt man auch abends länger zusammen draußen und schlüpft nicht verfroren und müde um 8 Uhr ins Bett. Beides hat also seine Vor- und Nachteile, aber ich glaube dass der kalte und nasse Weg, der für mich verträglichste war und ich die grünen Landschaften, den geernteten oder vertrockneten vorziehe. Genau weiß ich es natürlich erst dann, wenn ich mich nochmal im Sommer aufmachen würde, aber das wird in nächster Zeit nicht passieren. Meine Füße finden ich habe genug gewandert und meine Lebenspläne lassen mir erst einmal keine Zeit. Die Idee schwirrt jedoch schon wieder in meinem Kopf herum, schließlich gibt es auch den Camino portugues und den Camino del norte. Bisher kann ich es mir auch gut vorstellen, diese Wege alleine zu gehen, einfach um auch mal dieses Gefühl zu erleben.
Das sind aber richtige Zukunftszukunftspläne, denn derzeit konzentriere ich mich voll auf die nächsten Wochen: neben dem Visumkram steht nämlich auch mein Vorbereitungsseminar an und ich bin sehr gespannt, was auf mich zukommt.

Auch jetzt nachdem ich den Camino gelaufen bin, kann ich es nur immer wieder empfehlen ihn einmal zu laufen. Es muss nicht einmal aus religiösen oder spirituellen Gründen sein, denn meiner Meinung nach reicht auch schon die körperliche Herausforderung und die Gemeinschaft die man dort erfährt als Anreiz aus. Dabei finde ich sogar, dass man mit einer religiösen Intention bei den Pilgermessen als Spanischlaie enttäuscht wird, da die Messen immer (sogar in Santiago die großen Pilgermessen) auf Spanisch sind. Besonders nervig fand ich als Protestantin, dass ich noch nicht einmal die Choreografie kannte und nie wusste wann man sich hinsetzen/hinknien/aufstehen/dreimalumdieBankrennen musste und man durch das Spanische auch nicht das Vaterunser oder sonstige bekannte Gebete mitsprechen konnte. Spanier haben eine schnellere Sprachmelodie und bis man versteht, dass das Vaterunser drankommt ist es vorbei. Vielleicht hat man als Person mit Spanischkenntnissen mehr Chancen am Gottesdienst teilzunehmen und als Katholik kennt man zumindest den groben Verlauf einer Messe. Ich fühlte mich auf alle Fälle etwas Fehl am Platz und konnte noch nicht einmal ein Liedchen mitsummen, da auch keine Liedblätter ausgeteilt werden. Man geht davon aus, dass jeder die Lieder kennt. In den kleinen Dörfern ist das alles ja verständlich, aber als es in Santiago genauso war, war ich wirklich etwas enttäuscht. Immerhin war mein Spanisch bis dahin so gut, dass ich verstehen konnte, dass wir vor dem Gottesdienst extra begrüßt wurden. Dann hörte es aber auf und ich störte mich an den Leuten, die während der Messe von hinten Jakobus umarmten, der im Altarraum steht. Vielleicht war ich dann aber auch schon wegen des Gottesdienstes und weil wir so dicht gedrängt in der Bank standen schlecht gelaunt und wurde pingelig.
Zumindest in Santiago soll es jedoch zeitweise sogar deutsche und englische Messen geben, die dann vielleicht sogar genossen werden können- einfach weil man mitmachen kann und sich nicht langweilt. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein schlechter Kirchgänger, da ich nie solange stillsitzen oder stillstehen kann. Spaß gemacht haben die Messen dann aber letztendlich doch, weil die beide Male die wir in der Messe waren immer irgendetwas Erzählenswertes passiert ist. Dafür gibt es natürlich andere religiöse Stationen und Aspekte, die den Camino mit ausmachen, aber die naheliegenden Messen waren eben nie etwas für mich.

Hiermit also zum Abschluss ein kleiner Mutzuspruch an alle, die sich den Weg nicht zutrauen:
Die Kondition kommt mit der Zeit (man kann zu Beginn kleinere Etappen planen) und nie wird man mehr hilfsbereite Menschen treffen als auf diesem Weg!

und nochmal ein Riesendankeschön an Marie und Raika und alle die mich diesen Weg begleitet haben, auch digital!

 

Das ist das Ende..

vom Camino und unserem Pilgerdasein.

  
  

Mit Sekt und einem der schönsten Sonnenuntergänge, die ich jemals gesehen habe, feierten den Abschluss unserer Wandertour. Und freuen uns mittlerweile wieder auf unser „normales Leben“ ohne ständige Ortswechsel. Es war eine fantastische Zeit und auch die wenigen Tage hier werden noch genossen und man sucht eifrig nach Mitbringseln. 

  
Ich empfehle wirklich jedem nicht in Santiago den Camino zu beenden, sondern hier am Kap den Weg abzuschließen und das nicht nur um den 0km Stein zu sehen. 

  
Das Gefühl am wirklichen Ende zu sein und das Meer zu sehen und darin zu stehen, toppt das Ankommen in Santiago doch sehr und man kann sogar noch einen Strandurlaub dranhängen!

Am Samstag geht es dann wieder zurück nach Santiago und am Montag geht der Flieger nachhause. Lustigerweise haben wir schon viele Pilger getroffen, die genau unseren Flug auch gebucht haben. Der Rückflug wird also auch ein großes Wiedersehen mit anderen deutschen Pilgern 😀

Ehrenrunde Tag 4

Nachtrag!

13 km bis nach Finesterre verflogen und die erste Bucht wurde mitsamt Rucksäcken von uns belagert.
   
   
 Nach einem ersten Meergenießen und einer Kekspause ging es dann immer am Strand entlang zur eigentlichen Stadt Finesterre. Das Gefühl Barfuß über den Strand zu laufen war und ist fantastisch. Natürlich wurden direkt erste Muscheln gesammelt! 

Mit FlipFlops an den Füßen und den Rucksäcken auf dem Rücken sahen wir schon fast wie normale Touristen aus.. Dann galt es eine Stunde Zeit zu vertrödeln, denn die Ferienwohnung war zwar schnell gefunden, die Schlüsselübergabe fand aber erst um drei Uhr statt. Mit einem Eis bewaffnet ging es also in kompletter Pilgermontur erneut an den Strand und die TShirts wurden in der Hoffnung, dass die TShirtränder an den Armen verschwinden, hochgezogen. Viel gebracht hat es wahrscheinlich nicht, aber das Sonnen war trotzdem herrlich. Pünktlich um srei tragen wir vor der Wohnung ein und stellten fest, dass nich niemand da ist. An die spanischen Zeiten (immer etwas später) sind wir ja mittlerweile gewöhnt und machten uns auf ein paar Warteminuten gefasst. Eine Lina wollte vorbeikommen und uns den Schlüssel weitergeben. Nach wenigen Minuten kam ein älterer Herr die Straße entlang und blieb vor uns stehen. Etwas skeptisch fingen wir an zu überlegen, ob Lina in Spanien auch ein männlicher Vorname sein kann. Kurz bevor wir fragen konnten, öffnete der Mann jedoch seine Einkaufstüte und warf den streunenden Katzen neben uns Fische zu.

  
(Auf dem Bild füttert wieder ein Anderer die Straßenkatzen von gegenüber)

 Das war also doch nicht Lina. Keine Minute später rannte ein Junge die Straße hinauf, schloss die Tür unserer Ferienwohnung auf und blieb wortlos vor uns stehen, während er Marie die Schlüssel in die Hand drückte. Erwartungsvoll blickten wir den Jungen an, um eine Einführung/Erklärung oder sonstige Reaktion zu erfahren, doch dieser winkte uns nur in die Wohnung, schloss die Tür hinter uns und verschwand wieder. Ohne bezahlt zu haben und jetzt richtig verwirrt besichtigten wir die Wohnung, die perfekt passt! Eine kleine aber feine Küche, Bad und über zwei Etagen drei Betten. Nur noch WiFi würde zum perfekten Glück fehlen, so sind wir eben etwas isolierter von der Außenwelt. Der Rucksack wurde in die Ecke geworfen, ausgeräumt und entspannen ist angesagt. Heute Abend essen wir noch Pizza mit Larissa und morgen geht es dann an den Strand und ans Kap zum Sonnenuntergang.