Ehrenrunde Tag 3

Wohin lauft ihr heute?, wurden wir freundlich von einer Mitpilgerin gefragt und wir antworteten in komplettem Einklang OLogroso und Cee. Nach einer kurzen Verwirrungsekunde stellte sich heraus, dass wir laut Plan 19km bis Logroso laufen wollten, wir aber in Cee neue Schuhe kaufen können. Cee liegt jedoch 34 km entfernt, dafür aber auch schon am Meer. Beides riesige Motivationen, nicht nur weil ich dann endlich meinen einzigen spanischen Satz benutzen kann, sondern auch weil die Füße mittlerweile sowohl FlipFlops und Wanderschuhe leid sind und einmal andere Schuhe brauchen. Das gab den entscheidenden Ausschlag heute die große Etappe zu laufen und morgen noch 15km weiter bis zum Kap zu spazieren. 

 
Unsere neuen Schuhe!  
Vamos a la playa!- Da hinten sah man schon das Meer und ich bin mit diesem Satz fast als Einheimische durchgegangen.

Über gefühlt hunderte kleiner Hügel ging es immer weiter Richtung Ozean und als kleinen Motivationsschub konnte man hin und wieder einen Blick aufs Meer erhaschen. 

   
   Und ganz plötzlich konnte man die  Küste sehen:
 
Noch viel unglaublicher als das Ankommen in Santiago ist der Blick auf das Meer. Eben noch starteten wir in den Pyrenäen und jetzt geht es nicht mehr weiter. 
Dass heißt: Ab jetzt geht es 300 Höhenmeter hinunter nach Cee an den Strand auf dem blödesten Weg. Das steile Gefälle wurde durch rutschigen Kies verstärkt und sowohl Knie als auch Füße schmerzten nach diesem Abstieg. Unten angekommen entschädigte jedoch der Gedanke daran da nicht wieder hoch zu müssen einiges und während der Herbergssuche warwn alle Strapazen schon wieder vergessen. Das ist auch eine Sache, die ich nicht vermissen werde: Die Unsicherheit einen Schlafplatz zu bekommen. Das ist etwas drastisch formuliert, schließlich haben wir immer in unseren Wunschherbergen übernachten können, aber gerade auf den letzten Kilometern waren viele Herbergen schon voll und ich mag es zu wissen, dass abends ein Bett für mich bereit steht. Gerade in Santiago ist es schwer günstige Herbergen zu finden, die nicht belegt sind und ich freue mich immer wieder, dass wir unsere zwei Übernachtungen vor dem Rückflug dort reservieren konnten. 

Erst einmal bin ich allerdings auf die Ferienwohnung gespannt und freue mich auf den Strand. Den haben wir uns aus Faulheit und für einen windgeschützten Essensplatz für morgen aufgehoben. Dann haben wir vier Tage Zeit den Strand zu genießen, mit Larissa, Markus und Arielle essen zu gehen, „Rucksacküberziehtaschen“ für ins Flugzeug zu finden und vielleicht suchen wir uns auch eine Massage. Für vier Tage entspannen, ist das fast schon ein stressiger Zeitplan.

 

Ehrenrunde Tag 2 

Halb 2 Uhr nachts: Ich tappe im Dunkeln durch den Flur Richtung Gemeinschaftsraum, um auf die Toilette zu gehen. Der Raum ist hell erleuchtet und in der Mitte stehen zwei Jungs mit Rucksäcken und Jacken in Tarnfarben. Ich habe wohl ziemlich verdutzt geschaut, denn sie grinsten mich an. Doch noch etwas verschlafen fragte ich sie (sogar auf Englisch!) was sie hier mitten in der Nacht wollen und selbst wenn sie „Einbrecher“ geantwortet hätten, wäre ich nickend und lächelnd weitergegangen. Die zwei waren zum Glück harmlose Pilger, die gerade aus Oslo gekommen sind und anscheinend hier ihren Camino starten wollen. Warum sie nicht in Santiago starten, sondern den Bus in das 20km entfernte Örtchen nehmen, ist mir bis jetzt nicht klar und ich war nicht in der Lage sie zu fragen, genausowenig weiß ich wie sie un diese Uhrzeit in die Herberge kamen. So war der einzige weitere Kontakt als wir von ihnen vormittags überholt wurden. Sehr merkwürdig das Ganze, wobei wir drei als Truppe bei den Einheimischen wohl genauso kurios rüberkommen. 

Gegen 12 Uhr mittags beschlossen wir unsere Hosenbeine abzumachen. Aus einem kurzen Stop wurde ein Nüsse essen, das in die Mittagspause überging. 
In der Mittagspause dann zeigte sich mein Talent zum Tüten aufmachen, indem ich dabei alle Rosinen über den Hof verstreute.

   
 Sonst sind wir wirklich keine Umweltsünder, die Dreck hinterlassen, aber alle Rosinen haben wir dann nicht wieder aufgesammelt. Vielleicht könnten wir das Ganze auch als gute Tat für die Vögel verbuchen? 

Auf jeden Fall fuhr in der Zeit, die wir mit Essen, Rosinen verstreuen,  lachen, Rosinen aufsammeln, lachen, weiteressen und Müll wegbringen viermal derselbe Heulaster an uns vorbei. Jedes Mal wurden die Blicke des Fahrers skeptischer und ich glaube er war froh als wir Pilgertouris weg waren. Vielleicht haben wir ihn auch durch unser ständiges Lachen und zuwinken verunsichert oder er macht uns für sein kaputtes Handy verantwortlich, zumindest viel ihm einmal beim Zurückwinken das Handy aus der Hand.