Es weihnachtet

eher weniger.

Mir ist zu warm und auf Plätzchen und Schokolade habe ich auch keine Lust. Nur auf dem festival of lights in Paarl kam ein wenig Stimmung auf. Mit einem großen Fest, Life-Musik und mit vielen kleinen Ständchen wird der weihnachtliche Straßenschmuck angeschaltet und ab jetzt ist hier auch Adventszeit.
Sogar einen kleinen Weihnachtsmarkt gab es hier in Wellington, der in der Kirche stattfand und darin kleine Stände aufgebaut waren. Mit Einkaufskorb und Kasse am Ausgang hatte man eine witzige Mischung aus Ständchen schauen und normalem Supermarkt, aber herumbummeln konnte man auf jeden Fall.

Lars und ich werden unsere Weihnachten sehr idyllisch mit Rebecca, Philipp, Lenart und Lea im Auto verbringen. Ab diesen Donnerstag geht es für uns nämlich in die langen Sommerferien und unsere Trip durch Südafrika beginnt! Ich warne schon einmal vor, dass ich noch nicht weiß wie regelmäßig ich mich dann melden werde, auf Instagram werde ich aber hin und wieder ein paar Bilder posten!

Neben dem Lichterfest haben wir dieses Wochenende nichts unternommen, der spontanen Idee sonntags ins Cafe zu gehen und einen Kaffe zu trinken wurde durch die Öffnungszeiten einen Strich durch die Rechung gemacht. Nichts tun war auf jeden Fall sehr entspannnend und nach zwei anstrengenden, aber schönen Wochen zumindest für mich mal wieder nötig.

Durch die Americans arbeiteten wir morgens weiter auf der Baustelle, zu meinen besonderen Fähigkeiten auf dem Lebenslauf darf ich jetzt auch „kann Ziegelsteinmauern setzen“ schreiben und bisher steht die Wand sogar noch!

Mit den Kindern ging es ausnahmsweise an einem Dienstag ins Tuberkulose Krankenhaus in Paarl, um gespendete Puppen weiterzuschenken. Zum Glück waren derzeit nur sehr wenige Kinder auf der Station, manchmal ist sie sogar überbelegt.

Am meisten hat uns aber der Fall eines kleinen Mädchen getroffen, die mit Tuberkulose hergebracht und nie abgeholt wurde. Sie lebt bisher immer noch im Krankenhaus und man wartet nicht mehr ganz optimistisch auf die Eltern.
Ein etwas bedrückender Ausflug, aber auf jeden Fall super für die Kinder, sowohl für unsere als auch die Patienten dort.

Das Wochenende verflog mit einem Ausflug nach Franchoek von dem ich kein einziges Bild finden konnte, weil es wahrscheinlich nicht viel zu fotografieren gab. Bestehend aus einer Hauptstraße mit vielen Touristengeschäften und vielen imposanten Wohnhäusern ist Franchoek sehr überschaubar und schön anzusehen, mehr aber auch nicht. Die Nacht auf Sonntag und den Sonntag über habe ich dann krank immer in Reichweite der Toilette verbracht. Krank sein ist sehr blöd und ich fand es mehr als bescheiden, da ich zu meinem Glück auch noch einen Ausflug in die Kirche im township und nach Kapstadt verpasste. Es ließ sich aber nichts daran ändern und ehrlich gesagt bin ich fast froh einmal krank gewesen zu sein. Das war einer der Punkte wovor ich mich noch ein wenig gefürchtet habe, weil es doch anders ist in der „Fremde“ krank zu sein, wo sich Mama nicht um mich kümmert und ich gerade mit Magen und Darm Geschichten schlechte Erfahrungen habe. Es war aber alles halb so wild und ein weiterer Vorteil im Wg-Leben ist wohl auch, dass immmer jemand zuhause ist und einen alle zwei Stunden fragen kann, ob man noch am Leben ist und etwas braucht.

Pünktlich zum Wochenbeginn ging es mir wieder besser und es ging zurück auf die Baustelle und zum Afterschoolprogramm. Direkt mit Angepackt habe ich Montag nicht, sondern habe lieber einen Teil der Americans zur Nederburg Primary School in Paarl chauffiert.
Neben der Naledi Christian Academy in Potch habe ich hier in der Region noch keine Schule besucht und ein wenig hat sie mein Klischeedenken erfüllt. Zum Beispiel haben die Schüler in manchen Klassenräumen wirklich diese alten Holzpulte zum Aufklappen, andererseits gibt es auch eine Computerklasse und die Lehrer mit denen wir gesprochen haben waren sehr motiviert sie auszubauen.

Irgendwie stand diese Schule ein wenig im Kontrast zu den Geschichten über die Schulen auf denen unsere Afterschool Kinder sind. Dort erscheinen Lehrer nicht mehr nach der Examenszeit und die Schüler bekommen keinen Unterricht mehr, haben also frei. Der ehemalige Schüler in mir rebelliert zwar etwas aber mir tut es für die Kinder Leid, dass die Lehrer so wenig Lust auf Schule haben und einfach keinen Unterricht mehr machen wollen. Bertho (unsere WG-Student) studiert auch Lehramt und meinte, dass Lehrer in Südafrika von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends arbeiten, da alle Nachmittagsangebote wie Sport oder Musik ihr Aufgabenbereich sind und man dafür einfach zu wenig Geld bekommt. Durch die hohen Studiengebühren hat man dazu auch noch Schulden oder man gibt auf und ist frustriert, weil auch die Kinder nicht lernen wollen und ständig die eigene Autorität in Frage stellen.
Er selbst zieht jetzt nach seinen letzten Prüfungen nach Dubai, arbeitet dort an einer Schule und kommt zurück, wenn er etwas Geld gemacht hat.

Der Besuch von Nederburg, Bertho und natürlich die um mich herumspringenden Afterschool Kinder, die schon jetzt nicht mehr zur Schule gehen, obwohl erst am 7. Dezember Ferien sind hat mich einfach nachdenklich gemacht, natürlich kann ich nicht wissen ob das nur Berthos Meinung ist, andere Schule besser sind und ich nur die schlechten/guten Beispiele haben, aber so bekomme ich hier nun einmal das Konzept Schule mit.
Dienstag und Mittwoch wurde wieder ein wenig am Haus herumgewerkelt und unsere Küche wurde endlich vom Zoll freigegeben, nachdem sich das Fiasko um die mysteriösen in China hergestellten Plastik-Flip Flops aufgelöst hat. Das hatte für ein wenig Verwirrung, eine Strafe von R200 und eine einwöchige Verzögerung gesorgt. Jetzt ist er aber da und ich finde, dass das Center schon viel schöner damit aussieht!

Donnerstags wurde von Anneke eine kleine Weihnachtsfeier für die Kinder im Afterschoolprogramm organisiert und so gab es es schon diese Woche eine kleine Bescherung.

Statt Tannenbaum, kramten wir den selbstgemalten Handabdruck-Baum heraus und natürlich gehört es zum südafrikanischen Weihnachten dazu zu braaien/grillen.

Das neuste und wohl schönste neue Spielzeug ist eine Plastikplane und etwas Spülmittel. Den gesamten Nachmittag wurde darauf geschlittert und gespielt. Wäre die Wasserrechnung nicht irgendwann zu hoch und Wasser kostbar.

Nebenbei wurde auch der Swopshop-Container ein wenig verschönert:

Die Hände wurden auch nur sehr kurz auf die Wand gedrückt, da sich der Container den ganzen Tag aufheizen konnte. Die nächste Bemalaktion sollten wir also in die Nacht verlegen oder Handschuhe anziehen.
Fast perfekt um 5 Uhr waren wir mit unserem bunten Programm auch schon durch und konnten uns ans aufräumen machen, was doch länger dauerte als gedacht, der Spaß davor machte den Aufräumstress aber auf jeden Fall wett!

Freitags lud Rebekka die Kinder zu einem Outing zur Lion Farm ein und mit einem gemieteten Minitaxi ging es mit lauter Musik und abgedrehtem Singen los.

Dort angekommen wurden unsere eigentlich sehr aufgedrehten und ungehorsamen Kinder plötzlich serh zahm als sie vom ersten Löwen angebrüllt wurden und wir hatten einen sehr entspannten Tag. Der Drakenstein Lion Park nimmt Löwen und Tiger auf, die in menschlicher Gefangenschaft wie in Zirkussen, Zoos oder Privathaltung waren und die nicht mehr asugewildert werden können. Durch schlechte Behandlung der vorherigen Besitzer mögen die meisten Tiere Menschen nicht wirklich und auch diese kleine Information hat die Kinder ganz ruhig und folgsam gemacht.

Ich bin in Versuchung einen Löwen für unser Afterschoolprogramm zu kaufen 😀

Zum Abschluss noch ein Gruppenbild von allen 17 Kindern, die gerade im Afterschoolprogramm sind und natürlich mit uns drei Deutschen.
Nächstes Jahr sollen mindestens 10 Kinder dazukommen und ich bin sehr gespannt wie wir damit klarkommen.

Für uns heißt es jetzt aber erstmal Sommerpause und Mitte Januar geht es dann mit noch mehr Motivation und neuen Ideen weiter! 🙂
Ich wünsche Ihnen allen eine besinnlichere Adventszeit als meine, viel Schnee und ich melde mich dieses Jahr bestimmt nochmal!

 

Die Besucher

Besucherzeit im Mosaic Projekt! Für einen Monat hat sich Rebekka unserem Projekt hier angeschlossen und hilft uns beim Afterschoolprogramm und allem was ansteht. Als fast Englisch und Musiklehrerin kommt sie perfekt zur Examenszeit und kann den Kids helfen und bringt uns hoffentlich Ideen mit wie man das Englisch lesen interessanter machen kann. Eine weitere Hand ist immer zu gebrauchen und vor allem im Backchaos von diesem Freitag war sie eine große Hilfe. Anstatt mit den Kindern raus oder irgendwo hin zu gehen, veranstalteten wir im Center einen Backwettbewerb und garnierten um die Wette.

Beide Teams sind hochkonzentriert!

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Das Endergebnis ließ sich auf jeden Fall sehen und sogar die unerwartete Zusatzaufgabe ein Ei zu kaufen, da wir diese vergessen hatten, wurde leicht gelöst.

Den Kindern und uns hat es viel Saß gemacht und am Ende haben wir nicht einmal mehr daran gedacht einen Sieger zu küren.Dafür wurden mehrere Zuckerbomben innerhalb kürzester Zeit vernichtet und der Rest gerecht zum später essen verteilt.

Unser Wochenende begann wieder mit Schwimmen und endete mit einer Wanderung am Bainskloof Pass. Herrlicher Ausblick und obwohl oder gerade weil wir keinen offizielen Touristenweg genommen haben, konnten wir ein kleines Flußtal für uns entdecken.

Handybilder bis 14.11 1182

Handybilder bis 14.11 1180

Auf dem Rückweg sahen wir sogar noch einmal Paviane (Baboons) und damit war der Tag abgerundet.

Die Woche verlief alltäglich und war erfreulich entspannt, was die Kinder anging. Alle haben mitgemacht und wirklich gelernt, ich hoffe das merkt man bei den nächsten Prüfungen.

Sonntags fuhren wir spontan nach Kapstadt in die Mall und danach flanierten wir noch zum Bokap:

Alle Häuser sind sehr grell gestrichen und würden grauenhaft aussehen, wenn sie Zuhause rumstehen würden.

Als Kapstadt-Expertin konnte uns Rebekka ein paar nette Cafés, Bars und Restaurants veraten und auf dem Weg zeigen, sodass unser nächster Kapstadtbesuch schon sehr verplant sein wird und sie konnte uns auch verraten, wo es die  besten Milchshakes der Welt gibt. In der Hotelbar von Fire und Ice, versteckt in einer Seitenstraße und beendeten wir unseren Ausflug mit einem halben Milchshake. Die großen Portionen sind mehrere Mahlzeiten und dann auch noch so gut, dass man sich reinlegen möchte.

Durch das blaue Licht unter den Eiswürfeln an der Bar, ein sehr schmeichelndes Foto von uns dreien!

Nach dem (ich muss es einfach nochmal betonen, denn Rebekka hatte Recht) wirklich besten Milchshake der Welt, baten wir die Rezeption darum uns ein Taxi zu rufen. Wir bekamen das Hoteltaxi zur Verfügung gestellt und wurden für 5 Euro im Mercedes zurückgefahren. Ein richtiges Erlebnis wie leise und sanft Autos fahren können, nachdem wir seit Monaten nur mit unserer geliebten Ruckelkiste unterwegs sind, die 500 000 Kilometer auf dem Buckel hat.

Durch Musikmangel auf unseren Handys wurde unsere Rückfahrt sogar noch sehr passend mit König der Löwen begleitet. Abends wurde dann noch kurz mit der Familie geskypt und eine sehr schöne Woche war schon wieder vorbei.

Seit Samstag ist jetzt auch die amerikanische Truppe hier und baut schon fleißig auf der Baustelle, sodass wir jetzt wieder morgens auf der Baustelle arbeiten und nachmittags im Afterschoolprogramm sind.

Ich bekomme jetzt sogar die Chance das Mauern zu lernen, wobei ich bisher nur Ziegelsteine angereicht und Zement gemischt habe. Morgen sollen die Aufgaben anders verteilt werden und hin und wieder bekommen Lars und ich als „Einheimische“ auch Botengänge wie Wasser kaufen, Arbeiter rumfahren oder Klopapier kaufen aufs Auge gedrückt. Es macht trotz Hitze und Anstrengung Spaß an der Baustelle zu sein und wenn einem zu heiß wird, kann der kaputte Wasserschlauch auch kleine, zu unverhofften Zeiten auftretende Wasserfontänen produzieren. Ich bin gespannt darauf zuzusehen wie ein Haus in zwei Wochen hochgezogen wird, bisher stehen noch nicht einmal alle Mauern und es ist unvorstellbar, dass es so schnell gehen soll.
So am Rande: Hier heißt es langsam aber sicher Summer is coming : die ersten Regeln gegen unnützen Wasserverbrauch sind wieder aktuell. Unser Pool und alle Gärten dürfen nur noch begrenzt aufgefüllt und bewässert werden.

Umzug und ein Kurzurlaub

Endlich durften wir unsere Sachen packen und umziehen!

Unsere neue Hütte ist eine richtige Studentenbude, obwohl nur ein echter Student hier wohnt. Unsere anderen beiden Mitbewohner sind Helikopterpiloten (der eine ist Engländer) und alle drei sind sehr nette Leute. Berto, der Student, kann wegen der Proteste gegen die Studiengebühren gerade nicht zur UNI und sein Examen machen, weshalb er das Leben genießt und es oft Braai-Abende mit seinen Kommilitonen gibt. Unsere beiden Piloten dagegen arbeiten schon früh morgens und sehr viel, sodass wir sie tagsüber kaum zu Gesicht bekommen. Dafür trifft man sich abends und lässt den Tag ausklingen.

Unser Haus:

Sogar mit kleinem Pool!

Mein Zimmer sieht noch etwas leer aus:

Aber die Gesellschaft macht unseren Umzug am Schönsten! Dazu dürfen wir jetzt auch Freunde einladen, haben Wlan und es gibt kein Alkoholverbot mehr (letzteres war zwar auszuhalten aber unnötig!).

Das nächste Wochenende wurde für einen Trip nach Hermanus verplant. Noch ist dort Walsaison und Alex, Lars und ich beschlossen zusammen hinzufahren. Schließlich ist der Ort nur 2 Stunden entfernt und wir dürfen das Mosaic-Auto benutzen, wenn wir den Sprit bezahlen. Freitagabend ging es dann direkt los und über eine landschaftlich abenteuerliche Route über die Berge nach Hermanus. Wir kamen im Hermanus Bagpacker unter und fielen nach dem Abendessen direkt ins Bett, um Samstag mit der Küstenroute loszulegen.

Die Coastal Route führt von Hermanus immer weiter an der Felsküste entlang zu einem riesigen Sandstrand und soll der beste Platz zur Walbeobachtung von Land aus sein. Mit einem Fernglas bewaffnet wanderten wir los und genossen die Aussichten aufs Meer und hielten immer wieder an, um Seehunde zu beobachten oder Ausschau nach Walen zu halten.

Letztere ließen sich leider nicht blicken, die Hauptsaison ist schon vorbei und das Meer war zu unruhig, aber professionell sahen wir dabei schon aus:

Gemütlich schlendernd kamen wir gegen Mittag am Strand an und erweiterten den Spaziergang, um die vielen gestrandeten Blue Bottle Quallen und Schnecken anzuschauen.

Mit dem Taxi fuhren wir danach noch zum Old Neighbours Market, der gerade in dem Momrnt schloss als wir ankamen. Trotzdem bummelten wir an den Ständen vorbei und erhaschten noch einen letzten Blick auf die Ware.

Nach einer längeren Mittagspause fuhren wir noch zum Old Harbour und kletterten an die Felsenküste.

Den Abend verbrachten wir mit einer deutsch-englisch gemischten Truppe, die wir im Bagpacker kennengelernt hatten und trafen später sogar noch eine deutsche Freiwilligengruppe aus Kapstadt. Es sind doch mehr Deutsche in Südafrika als gedacht!

Über Betty’s Bay und Stellenbosch fuhren wir am Sonntag wieder nach Hause und schauten eben Pinguine statt Wale.

Und Dassies lungerten auch hier herum!

Mit einem Kaffee in Stellenbosch beendeten wir unseren kleinen aber feinen Kurzurlaub.

Die Woche startete wieder alltäglich, Mittwoch holten wir Rebekka (auch aus Deutschland) vom Flughafen ab, sie hilft uns für einen Monat im Projekt. Das passt natürlich perfekt, denn die Amerikaner kommen schon nächste Woche und werden alle Tage etwas auf den Kopf stellen. Unsere Vorbereitungen laufen mittlerweile auf Hochtouren: Nielen denkt sich eifrig Trump-Witze aus und klärt den Hausbau ab, während Lars versucht den Schiffscontainer der unsere Küche wird, möglichst günstig hierher transportieren zu lassen.

Ansonsten genießen wir die milden Frühlingstage mit 35 Grad und ich habe noch immer Spaß am Afterschoolprogramm!

Zusammengefasst: Uns geht es ziemlich gut und wir können uns nicht beklagen!