Ein bisschen Alltag

Eigentlich sollte es stürmen, uneigentlich gibt es nur einen Wechsel zwischen Regen und Sonnenschein. Der Winter hier fühlt sich immer mehr nach deutschem Frühling an, morgens und nachts ist es kalt bis die Sonne kommt und man im TShirt herum läuft. Bis dahin friere ich ein wenig, denn Isolation und Heizung gibt es wie gesagt nicht. Also bin ich Teetrinker geworden, Meisterin der Zwiebeltechnik und des sehr sehr heißen Duschens.
Einen Vorteil hat das wechselhafte Wetter aber:

Regenbogen 🙂
und schöne Sonnenaufgänge, -untergänge.

Nielen, Manager des Mosaic und wenn man so will unser Boss, ist ab jetzt bis Mitte Juli in Norwegen und macht dort eine einmonatige Radtour, sodass wir etwas mehr Verantwortung für das Mosaic Center tragen. Ansonsten ändert sich nicht viel, wir haben Afterschool, ich kümmere mich um Betafence und um den nächsten US Bautrupp, den wir höchstwahrscheinlich gar nicht mehr mibekommen.
Außerdem passen wir auf Nielens Haus auf, sodass mein Kram auf zwei Wohnungen verteilt ist und ich nie das habe was ich gerade brauche.
Ohne Vorwarnung passiert es dazu in letzter Zeit öfter, dass wir kein Wasser haben oder es eine interessante Braunfärbung aufweist. Abwarten und immer einen Kanister mit „gutem“ Wasser bereit halten, ist eine recht gute Lösung. Oder man wäscht sich verschlafen das Gesicht mit braunem Wasser und hält sich gerade noch davon ab einen Schluck zu nehmen. Immerhin stand ich nicht unter der Dusche.
Zum Glück blieb das Wasser nie länger als eine Stunde aus oder wird mit etwas Geduld sogar wieder klar, wenn man den Hahn voll aufdreht.

Bis auf kleine Wasserknappheiten verliefen die letzten Wochen also eher unaufregend und wir beschlossen einen kleinen WG-Urlaub nach Hermanus zu machen und wieder einmal keine Wale zu sehen. Klar es ist noch sehr früh in der Saison, aber ein Versuch war es trotzdem wert.
Dafür probierten wir Hai-Biltong in Gansbaai, schauten das Rugby Spiel Frankreich gegen Südafrika in einer Bar mit einer sehr schönen Stimmung und machten eine Art mini Entspannungsurlaub.

Wir hatten herrliches Wetter und es war schön einmal etwas mit den Mitbewohnern zu unternehmen. Klar man lebt zusammen, aber da wir alle arbeiten sieht man sich nur für ein paar Stunden am Abend und die Wochenenden werden auch nicht immer zusammen verbracht. Auch dass Rebecca, Freiwillige des Mosaic Potch vorbeikam, war prima. Es tat einfach gut viel zu erzählen, zu entspannen und aufs Meer zu schauen. Es wurde auch ohne Wale ein schöner Ausflug, aber für mich steht fest, dass ich allein schon deswegen zurück nach Südafrika muss.

Bald sind schon Winterferien für die Kinder und in einer Woche enden die Prüfungen. Zeit das Ferienprogramm zu planen und einen kleinen Flohmarkt zu starten, um die Ausflüge zu finanzieren. Also sortierten wir einen gespendeten Kleiderberg und stellten uns an einen Taxihalt. Überraschenderweise kamen viele Kunden und Nozuko war ganz in ihrem Element als Marktschreierin („Cheap!, Cheap! I make special prices for you!“) und Yolande konnte zu jedem Oberteil perfekte Stylingtipps geben. Das Wetter spielte auch mit und wir hatten sogar ein paar unserer Kinder als Helfer dabei.
Mit den übrig gebliebenen Sachen werden wir wohl Montag einen super-duper-billig Verkauf starten und alles für R1 oder R2 verkaufen (R14 entsprechen 1€) einfach, um das Mosaic Center nicht voller gespendeter Kleidung zu haben. Überraschenderweise gibt es viele solcher Flohmarktstände im township in denen Kleidung, Gemüse, Haushaltsgegenstände und Babysachen verkauft werden und wir hatten Glück, dass an unserer Kreuzung kaum Konkurrenz war.

Natürlich könnten wir die Kleidung auch umsonst an Alle herausgeben, Mosaic möchte aber keine Kultur des bedingungslosen Gebens kreiieren. Das klingt erstmal ein bisschen egoistisch, schließlich bekommen wir Dinge für die Gemeinschaft gespendet und geben sie nicht direkt weiter, verhindert aber, dass Mosaic ausgenutzt wird, die ausgegebenen Dinge nicht geschätzt werden oder die Leute abhängig von Mosaic werden.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen und eines unserer letzten Outings mit den Kindern war es, Suppe an die Kinder im township auszugeben.

Vor allem für die Kinder von Mosaic einmal eine Abwechslung, da sie einmal Rollen tauschen durften. Diesmal waren nicht sie die Hilfsbedürftigen, sondern die Helfer. Nächste Woche kommen Mitglieder einer Kirche aus Wellington vorbei und bringen Spielzeug und Kuchen, dann dreht sich das Bild wieder um.

Kommentare sind abgeschaltet.