Vorbereitungsseminar: Heita und Dumelang (HALLO!)

Vor jedem Freiwilligendienst mit weltwärts gibt es Vorbereitungs-, Zwischen- und Nachbereitungsseminare, in denen die Freiwilligen unterstützt und begleitet werden sollen. Der Sitz meiner Entsendungsorganisation DSJW ist in Bad Honnef und so trafen sich in der dortigen Jugendherberge alle 52 Freiwillige, die mit mir am 17. August nach Johannesburg fliegen, zum ersten Seminar -> das Vorbereitungsseminar vom 22.05-29.05.

Die Anfahrt verlief leider nicht ganz reibungslos und in meinen Gedanken schwirrte schon das peinliche Zuspätkommen herum und vermischte sich mit meiner allgemeinen Aufregung. Durch die leichte Verspätung des ICs hatte ich nur noch 4 Minuten Umsteigezeit und ich sprintete zum nächsten Gleis, wo der Zug eine Minute zu früh abfuhr und ich ihm nur noch hinterherwinken konnte. Mit mir standen zwei weitere Jugendliche am Bahnsteig, auch mit Koffern und genauso verärgert wie ich über die verfrühte Abfahrt und nach einem kurzen Moment des gegenseitigen Musterns stellte sich heraus, dass wir alle zum Vorbereitungsseminar wollen. Zusammen suchten wir also einen Alternativzug, trafen eine weitere Freiwillige und ich war überglücklich, dass ich nicht von 62 neuen Gesichtern (10 Freiwillige sind von der Organisation FRIENDS) erschlagen werde, sondern eine kleine Gruppe jetzt schon kennenlernen konnte und wir zusammen zu spät sein würden.

Nach einem steilen Anstieg zur Jugendherberge und der positiven Überraschung, dass wir es noch rechtzeitig geschafft hatten, ging das Kennenlernen von anderen Freiwilligen dann richtig los. An der Eingangstür wurden Namensschilder verteilt auf denen auch das Projekt der Person stand, sodass man nicht sofort alle Namen auswendig lernen muss und seinen Projektpartner finden konnte. Das Ansprechen und Befreunden mit anderen Freiwilligen war viel einfacher als erwartet. Man ist einfach auf einer Wellenlänge und kann sofort offen miteinander sprechen und lachen. Dadurch dass die Freiwilligen aus ganz Deutschland kommen, waren zur Belustigung aller auch alle Dialekte und Schulsysteme vertreten, sodass das erste Gesprächsthema leicht zu finden war. Das Tolle an der Freiwilligenaussendung des DSJW ist aber auch, dass wir Freiwillige als Gruppe zusammenwachsen und dann auch zusammen nach Südafrika fliegen, in Kapstadt Silvester feiern, ein gemeinsames Zwischenseminar stattfindet und man sofort Leute kennenlernt mit denen man vielleicht während der Urlaubszeiten in Südafrika herumreisen kann. Das ist vor allem für mich wichtig, da ich mit meinem Projektpartner anders als die anderen Frewilligen nicht in der Nähe von Johannesburg leben werde, sondern im Western Cape bei Kapstadt. Die Einladung an alle DSJW-Freiwilligen über Silvester zu kommen und mich zu besuchen steht also schon 🙂

Die Seminarbegleiter waren teilweise auch Mentoren und Projektleiter, die extra aus Südafrika angereist sind, um uns mit den südafrikanischen Bräuchen, der Landesgeschichte, der politischen Lage und den Projekten aus erster Hand zu erzählen. Somit fanden (fast) alle Vorträge in Englisch statt und man konnte sich schon mit den vorrausichtlichen Mitarbeitern und Kontaktpersonen anfreunden. Mein Projekt im Western Cape wurde leider nicht vertreten, da es noch sehr jung und im Aufbau ist und somit keiner der Projektmitarbeiter nach Deutschland kommen konnte. Als dann auch noch mein Mitfreiwilliger, der mit mir in einem Projekt arbeiten wird, krank wurde bevor ich ein Wort mit ihm wechseln konnte und wir doch sehr weit entfernt von den anderen Projekten liegen und somit von anderen DSJW-Frewilligen isoliert sein werden, habe ich kurz Panik bekommen. Alle Projekte der anderen Frewilligen hörten sich unheimlich toll an und die Gruppen, die zusammen in einer WG leben werden verstanden sich auf Anhieb, sodass ich mir umso mehr Sorgen um mein Projekt machte. Zum Glück bekam ich durch Zufall die Nummer von Kira, die Freiwillige die jetzt gerade in meinem Projekt arbeitet und ich konnte alle Fragen zu meinen Tätigkeiten, meiner Unterkunft und dem Universum allgemein loswerden. Ich habe so viele Fragen gestellt, dass ich Angst hatte sie zu nerven. Stattdessen antwortete sie mit Videos von ihrer Arbeit, langen Sprachnachrichten mit guten Tipps und ein paar afrikanischen Liedern (damit ich schon einmal das richtige Feeling bekomme) aber obwohl ich so viele Fragen beantwortet bekommen habe, kann ich mir einfach immer noch kein Bild von dem machen was da auf mich zukommt. So ändern sich meine Aufgaben mit dem Aufbau meines Projektes, dass jetzt anfängt seine Container durch echte Häuser zu ersetzen und zum Beispiel eine Bäckerei eröffnen will. Das steigert die Vorfreude und Aufregung natürlich umso mehr und ich kann es kaum erwarten!
Nach fünf Tagen erhob sich dann auch mein Projektpartner wieder vom Krankenbett und ich erfuhr seinen Namen: LARS. Für viel mehr Konversation reichten unsere Begegnungen dann aber nicht aus, wobei er nach einem ersten Misverständnis doch einen sympathischen Eindruck machte. Während des Seminars hatte ich das Gefühl dann zwanghaft Konversation zu betreiben und spätestens wenn wir alleine Richtung Kapstadt fliegen, werden wir miteinander auskommen (müssen).
Ein bisschen Angst wird einem dann nur mit der Sicherheitsbelehrung gemacht, in der Verhaltensregeln aufgestellt werden, die wir so in Deutschland nicht brauchen und damit auch nicht kennen. Ein paar Regeln wie „niemals im Dunkeln alleine unterwegs zu sein“, „keine unnötigen Wertgegenstände mit sich führen“ oder „gewisse Straßen und Bars zu meiden“ erinnern noch an eine europäische Großstadt, aber die Verhaltensregeln bei Schlangenbegegnungen oder Überfällen sind uns dann doch neu. Sehr eindringlich machte uns vor allem einer der Projektleiter klar, dass wir immer Pfefferspray und ein geladenes Handy mit uns führen sollen und nie, wirklich NIE Kopfhörer auf oder in den Ohren haben sollen. Dann hören wir weder die vorbeikommenden Autos, noch die warnenden Zischlaute der Schlangen im Gebüsch. Genauso wichtig ist es NIE mit dem Auto anzuhalten, wenn wir einen Unfall/eine Verletzte Person/ein kleines Kind am Straßenrand sehen, denn meistens ist das eine Falle und  die Polizei soll während der Fahrt alamiert werden.
Erschlagen von so viel Kriminalität wurde dann aber relativiert, dass eigentlich nichts passieren kann, wenn man sich an die jetzt gelernten Grundregeln hält und sich bewusst ist, dass man allgemein vorsichtiger und achtsamer in Südafrika sein sollte als in Deutschland. Durch die doch heftigen Beispiele sind diese Regeln fürs erste in mein Gehirn eingebrannt!

Neben diesem etwas negativen Einblick lernten wir natürlich auch die schönen Seiten von Südafrika kennen und die Seminarleiter gaben alles, um uns eine möglichst authentische Wiedergabe ihres Heimatlandes zu vermitteln.
Mit afrikanischen Schlagern wie Kaptein  oder Loslappie wurde uns Afrikaans nähergebracht und gleichtzeitig lernten wir dazu schon die ersten nützlichen Tanzschritte, da man da unten sehr sehr viel tanzt und singt. Natürlich durfte Shosholosa oder die Südafrikanische Nationalhymne nicht fehlen und wir hatten sehr viel Spaß die Lieder zu lernen. Richard, unser südafrikanischer Seminarleiter brachte sich damals durch deutsche Schlager Deutsch bei und meinte als wir zum 5. Mal Kaptein sangen und schunkelten, dass Lieder der beste Weg sind um sich in Sprachen einzufühlen. Trotzdem würde er uns eine Liste mit den 800 wichtigsten Vokabeln schicken, die wir auswendig lernen können, da man sich dann ohne Probleme verständigen kann. Der große Vorteil an Afrikaans ist jedoch, dass die Sprache erfunden wurde damit sich alle Südafrikaner mit ihren Dialekten oder holländischen oder englischen Wurzeln schnell verständigen können. Dementsprechend ist die Grammatik der Sprache noch simpler als Englisch und lesen kann man sie schon recht gut. Falls ich also Zeit und Muße habe werde ich zuhause schon einmal anfangen zu lernen. So kommt es auch bei den Projektmitarbeitern und -leitern immer besser an schon ein paar Brocken Afrikaans oder Setswana zu können, da man damit zeigt, dass man sich für ihre Sprache und Kultur interessiert was bei mir auf jeden Fall zutrifft. Außerdem klingt Afrikaans auch noch so niedlich, da der Blumentopf zum „Bloompot“ (einfach so ausprechen wie es geschrieben wird) wird und ich die Universalantwort „sharp, sharp“ (tschab,tschab-> gut,gut) direkt in meinen alltäglichen Wortschatz einbringen will.
Sogar mein Visum ist schon per Post eingetrudelt und jetzt müssen nur noch ein paar Einkäufe gemacht und ein Konto angelegt werden. Ich bin gespannt wie schnell zwei Monate vorbei gehen.

Mein riesiges Dankeschön für die vielen Spenden wird hiermit durch ein noch viel größeres DANKESCHÖN ersetzt, denn mir fehlen nur noch 522,89€ dann habe ich alle Spenden zusammen!

Jeder noch so kleine Betrag unterstützt mich und das DSJW, da das BMZ  nur 75% der Kosten übernimmt und der Rest die Entsendeorganisation zu tragen hat. Das DSJW hat jedoch kein Budget, um 52 Freiwillige zu finanzieren und bittet deshalb uns Freiwillige Spenden zu sammeln. Natürlich ist es auch möglich diesen Beitrag nicht zu leisten und trotzdem am Freiwilligendienst teilzunehmen. Allerdings belastet dies dann unsere Entsendeorganisation und ich finde es wichtig ihre Arbeit mit den Spendengeldern anzuerkennen. So sind die Mitarbeiter im DSJW unsere direkten Ansprechpartner, kümmern sich zum Beispiel bei akuten Krankenhausaufenthalten um das Formale oder helfen bei der Visabeantragung, wirken allgemein begleitend und unterstützen uns während unseres gesamten Auslandsjahres wo sie können.
Wer also Interesse hat, mich in meinem Freiwilligendienst und das DSJW zu unterstützen kann mir hier eine Spende senden.

4 Replies to “Vorbereitungsseminar: Heita und Dumelang (HALLO!)”

  1. Liebe Anne,
    es ist unheimlich spannend Deine Erlebnisse mitzuerleben und ich bin schon sehr gespannt über Deine Blog-Einträge aus Afrika :o)
    Sterkte & een voorspoedige reis!
    Ute

  2. Hach, noch mal jung sein *seufz*
    Ich habe in jungen Jahren Afrikaans bei einem gut aussehenden jungen Mann gelernt, dabei haben auch afrikaanse Chansons eine Rolle gespielt.
    Aber lass eine alte Frau noch ein bisschen klugscheixxen: Afrikaans wurde nicht „erfunden“, sondern hat sich im 17. Jahrhundert aus dem Holländischen entwickelt, und weil die damaligen Auswanderer meist Menschen mit geringer Schulbildung waren, hat sich eine sehr einfache Grammatik durchgesetzt.
    Jedenfalls wurde mir das so erklärt.
    Du wirst merken, dass in Südafrika oft Begriffe aus dem landwirtschaftlichen Bereich eher aus dem Afrikaans stammen, die technischen eher aus dem Englischen.
    Und keine Angst vor Robotern – „robot“ ist eine Ampel 🙂
    Die wichtigste Regel draussen: nirgends hingreifen und nirgends hintreten, wo man nicht hinsieht. Sammelt man Feuerholz, tritt man erst gegen das Holzstück, ehe man es aufhebt, so vertreibt man Skorpione und andere unangenehme Untermieter.
    Hach, ich würde mich am liebsten in deinen Koffer schmuggeln…

  3. Hallo Anne,
    es wird bestimmt eine ganz besondere Zeit mit großartigen Erfahrungen und Erlebnissen werden.
    Auch wenn es noch ein bisschen bis zum Studium dauert, ich musste heute beim Radio Hören an Dich denken, vielleicht interessiert es Dich auch. Es geht um Frauen in der Luft- und Raumfahrtbranche.
    https://t.co/za2SLMVhlZ

    Alles Gute, Katja