Kurze Lernpause

Da meine Motivation zu lernen doch stagniert, versuche ich es mal mit dem Aufschieben und drücke mich, indem ich mich mal wieder melde.

Letzte Woche hat die Zukunft an meiner Tür geklopft. Natürlich nicht wirklich, aber irgendwie wurden die gesamten Zukunftspläne greifbarer und das war dann doch etwas erschreckend. Ich habe mit Freunden im Foyer gesessen und wir haben festgestellt, dass wir in weniger als einem halben Jahr auf vier unterschiedlichen Kontinenten sein werden. Die Vorstellung so weit weg zu sein war dann doch etwas erschreckend aber gleichzeitig auch fantastisch. Ich gebe zu, dass ich mittlerweile Leute verstehen kann, die die Schulzeit vermissen. Es ist schon merkwürdig nicht mehr in die Schule zu müssen (außer für die letzte Prüfung am Mittwoch- es steht jetzt fest) und man realisiert, dass man nicht mehr alle Mitschüler treffen wird und wahrscheinlich den Kontakt zu ihnen verliert. Klar ich werde mit meinen Freundinnen in Kontakt bleiben, aber es ist illusorisch zu glauben, dass man knapp 170 Schüler nicht aus den Augen verliert. Vor allem wenn wir uns eben in alle vier Windrichtungen zerstreuen.
Wirklich traurig bin ich allerdings noch nicht oder werde ich nicht sein, denn gerade überwiegt einfach die Freude auf alles Kommende.
So macht es unheimlich Spaß Urlaub ohne die Eltern zu planen und man kommt sich unheimlich erwachsen und reif dabei vor, bis man dann eben doch noch einmal nachfragt was sie davon halten.

Im Hinblick auf das Pilgern bin ich abwechselnd entspannt, gespannt und dann aufgeregt nervös. Unsere Packliste ist modifiziert, wir sind weiterhin fest entschlossen und ich fühle mich eigentlich vorbereitet. Wobei die Betonung natürlich auf ‚eigentlich‘ liegt. Beim Probewandern (na gut sagen wir Probespaziergang) ohne großes Gepäck im Rucksack mit Pilgerfreundin/Nummer 1 oder 2 bin ich 10km gelaufen und habe mir prompt Blasen geholt. Beziehungsweise ich habe die schon vorhandenen Blasen noch verschlimmert, indem mein Blasenpflaster verrutscht ist. Mein Ziel für die nächsten Wochen ist es also meine Blasen heilen zu lassen und mir bloß keine neuen Wunden zu laufen, denn in meinen Wanderschuhen laufe ich blasenfrei, nur in gefühlt allen anderen Schuhen reiben sich meine Füße blutig. Ich beäuge schon sehr nervös meine Ballschuhe.
Außerdem haben wir gelernt, dass man sich a) nicht auf Wegweiser verlassen kann und wir b) definitiv Karten brauchen, da wir einen leicht zu verwirrenden Orientierungssinn besitzen. Trotz Landstraße, ungefähre Kenntnis der Gegend und der Tatsache, dass wir in die richtige Richtung geschubst wurden, haben wir uns nämlich doch etwas verlaufen und mussten einen Umweg nehmen. Oder um es schönzureden: Wir haben unbewusst die landschaftlich reizvollere Strecke genommen. Ich versuche mir einzureden, dass wir, da wir von der Geburtstagsfeier einer Freundin mit Übernachtung zurückliefen und doch etwas übernächtigt waren, einfach nicht richtig wach waren und unser Orientierungssinn noch nicht hochgefahren war. Richtig Überzeugen kann ich mich selbst jedoch nicht, schließlich bin ich ohne einen Blick auf den Stadtplan auch in Städten, die ich seit Jahren kenne, hoffnungslos verloren.

Ünermüdet und mal wieder orientierungslos.. mit einem grauenhaften Selfie festgehalten, denn normalerweise sind wir wunderschön!
Übermüdet und mal wieder orientierungslos.. mit einem grauenhaften Selfie festgehalten, denn normalerweise sind wir wunderschön! (rechts ich-links Pilgerfreundin1 oder2)

Einen zweiten Blick auf unser Laufexperiment gibt es jetzt auch, Pilgerfreundin 1 oder 2 schreibt nämlich auch im Netz und zwar hier! Dahinter steht vor allem die Verwandtschaft, die unbedingt wissen will wo das Kind über einen Monat im Ausland durch die Gegend stapft.
Die tollsten Neuigkeiten kommen aber von der anderen Pilgerfreundin. Sie hat sich auch über weltwärts für einen Freiwilligendienst beworben, wurde endlich genommen und ist in Tansania gelandet! Das liegt in Ostafrika und macht uns meiner Meinung nach damit zu Nachbarn. Ich freue mich riesig für sie und nochmal für mich, weil es soviel schöner ist, sich zusammen auf etwas zu freuen. Ein riesiges Gesprächsthema fürs Pilgern ist also schon verfügbar 😉
Auch die Büchersuche beginnt,denn wir versuchen Bücher für unser Tolino/ Kindle zu kaufen, die der jeweils andere noch nicht hat, um dann zur Not tauschen zu können. Denn wir glauben, dass wir nicht den ganzen Tag miteinander reden oder still vor uns Hindenken können ohne uns mal auf die Nerven zu gehen. Gerade abends werden wir Kartenspiele oder Bücher brauchen und es ist wirklich schwierig jetzt Bücher zu kaufen und sie NICHT zu lesen. Allein schon im Internet nach Büchern zu suchen und einzuschätzen, ob ich in ein paar Wochen Lust darauf habe, finde ich schwierig. Toll finde ich auf jeden Fall die Onleihe für Ebookreader, denn damit kann ich die ersten zwei Wochen schon mit vielen Büchern füllen und vielleicht wird sich ein kostenloser Hotspot zum Ausleihen neuer Bücher finden.

Meine Lernmittel rufen, ich kehre zu Ethiken, Wirklichkeitsperspektiven und der Frage nach Gerechtigkeit zurück, denn auch wenn es nicht mehr um das Bestehen des Abiturs geht, möchte ich die letzte Prüfung doch auch noch sauber über die Bühne bekommen.
Danke für die gedrückten Daumen!

6 Replies to “Kurze Lernpause”

  1. Hallo Anne,

    viel Erfolg beim mündlichen Abitur.

    Ein paar Tipps zum Pilgern :
    Blasen mit Leukoplast tapen. Leukoplast gibt es auch in jeder Apotheke in Spanien .
    Ich fand den Jakobsweg- Führer von Hikeline hilfreich. Wegen dem Verlaufen müsst Ihr Euch keine Sorgen machen , immer den gelben Pfeilen nach !
    Zelt braucht Ihr wirklich nicht, Handschuhe aber auf jeden Fall.
    Ihr werdet viele neue Eindrücke haben , deshalb unbedingt Tagebuch führen !
    Bücher habe ich persönlich nicht vermisst , hätten mich viel zu sehr abgelenkt .
    Buen camino !

    Inge

  2. ich habe grade im mütterlichen blog vom „symmetrisch“ bestandenen abi gelesen und mag hier mal eben herzlich gratulieren und ein dreifaches hipphipp-hurra! gen nierstein rufen. das ist wirklich großartig!

  3. Ich möchte auch gratulieren, denn ich habe es ebenfalls im mütterlichen Blog gelesen. ein super Ergebnis und jetzt kann man sich dann einfach nur noch aufs Pilgern und auf Afrika freuen

  4. Ich schließe mich hier an und gratuliere ebenfalls herzlich zum Abi mit Bestnoten.
    Karten braucht ihr auf dem Jacobsweg wirklich nicht, wie schon geschrieben, einfach den gelben Pfeilen oder den Muscheln nach. Selbst mein orientierungsloser Mann hat sich nicht verlaufen… 😉 wir sind auch mit einem Pilgerführer unterwegs gewesen und können da guten Gewissens den Outdoorführer von Raimund Joos empfehlen. Sonstige Bücher Habe ich bzw. Wir beim Pilgern sucht vermisst. Man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch und ist mit Laufen, Nahrungssuche, Wäsche waschen, Herberge aufsuchen und Kontakte knüpfen gut beschäftigt.
    Buen camino, liebe Anne
    Petra